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Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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55

„Er muß dort beim Kaiser eine Schwäbin heira-then," rieth der Gepanzerte gutmüthig. „Sie findfrömmer und verläßlicher als unsere Weiber."

„Schweigst du wohl?" drohte ihm Ascanio mitdem Finger. „Mache mir keine Langeweile mit sem-melblonden Zöpfen!" Der Mönch aber drückte dieRechte Germanos, welche er noch nicht hatte fahren lassen.

„Aufrichtig, Germano," forschte er, „was sagst dudazu?"

„Wozu?" fragte dieser barsch.

„Nun, zu meinem neuen Stande?"

„Astorre, mein Freund," antwortete der Schnurr-bärtige etwas verlegen, „ist es gethan, frägt man nichtmehr herum nach Beirath und Urtheil. Man behaup-tet sich, wo man steht. Willst du aber meine Meinungdurchaus wissen, nun, schau, Astorre, verletzte Treue,gebrochenes Wort, Fahnenflucht und so weiter, demgiebt man in Germanien grobe Namen. Natürlich beidir ist's etwas ganz anderes, das läßt sich gar nichtvergleichen — und dann der sterbende Vater —Astorre, mein lieber Freund, du hast ganz hübsch ge-handelt, nur wäre das Gegentheil noch hübscher ge-wesen. Das ist meine Meinung," schloß er treuherzig.