Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
JPEG-Download
 

349

zu einem bemoosten Vorsprung, der weiche Sitze bot.Hier zog sie ihn nieder, und wie sie so lagerten,sagte sie: „Nun ist das Märchen erfüllt von demBruder und der Schwester, die zusammen über Bergund Thal wandern. Alles ist schön in Erfüllunggegangen."

„Haust hier unten auch Eine?" neckte Wulfrin denBuben. Gabriel blieb die Antwort schuldig, denn ermochte sich vor dem Höfling nicht bloßstellen.

„Dumme Geschichten," lachte dieser, „es giebt keineEiben."

„Nein," sagte Gabriel bedenklich und kratzte sichdas Ohr, „es giebt keine, nur darf man sie nicht mitwüsten Worten rufen oder gar ihnen Steine ins Wasserschmeißen. Aber, Herr, wo hast du dein Hifthorn?Du trügest es an der Seite, da du nach Malmortkamst."

„Es ist in den Strom gestürzt," fertigte ihn derHöfling ab.

„Das ist nicht gut," meinte der Knabe.

„Heho, Gabriel!" rief es aus der Ferne und einanderer Hirtenbube wurde sichtbar. „Ein Fohlen hatsich nach Alp Grün verlaufen, kohlschwarz mit einem