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Vorwort.
der Schriftsteller sind auch namentlich die Titel der ersten Ausgabenihrer Hauptwerke gebracht; auch einzelne Seiten aus denselben, Nach-bildungen der Titel sonstiger wichtiger Werke, namentlich vonVolksbüchern, Liedern, Flugschriften, reihen sich ein. Es isthierdurch nicht nur die Entwickelung des Buchdruckes und des Geschmacks,welcher bei Ausstattung der Druckwerke herrschend war, zur Anschauunggebracht, es sollte auch auf die Hauptwerke unserer Litteratur über-haupt dadurch aufmerksam gemacht werden. Wie wenig vollständigunsere öffentlichen Bibliotheken in dieser Beziehung sind, zeigt der zu deneinzelnen Nachbildungen angegebene Ort der Aufbewahrung der seltenenAusgaben. Auch die Bücherillustration ist in geziemender Weiseberücksichtigt: von den Miniaturen des XII. bis zum Ausgange desXVIII. Jahrhunderts ist die Entwickelung der Deutschen Kunst anden wiedergegebenen zahlreichen Buchillustrationen zu verfolgen.
Ferner sind zahlreiche Nachbildungen von Handschriften derSchriftsteller gebracht. Eine Namensunterschrift wurde nachgebildet,wenn sie zu erreichen war. Die älteste sichere ist die Unterschrift KönigKonradins unter einer Pisaer Urkunde vom Jahre 1258 (Seite 43);wären die Heidelberger und Wiener Handschrift des Otfried (sieheSeite 8 und 9) unzweifelhaft von ihm selbst geschrieben, so würden wir dieeigenhändige Namensschrift eines Dichters schon aus dem IX. Jahrhundertbringen können. Unter den größeren Nachbildungen von eigen-händigen Schriftstücken neuerer Dichter ist Manches noch ungedruckt.
Schließlich ist noch der literarhistorischen Alterthümer undDenkmale zu gedenken, welche nach vorsichtiger Auswahl gebrachtwerden. Es sind namentlich Grabmäler und Dichterstätten.
So bietet der „Bilderatlas" mit seinen 1675 quellenmäßigenAbbildungen allen, welche Freude an der Geschichte unserer Litte-ratur haben, reiches Material. Die Züge der einzelnen Dichter undSchriftsteller treten lebendig vor die Augen der Betrachtenden, ihreWerke werden erst verständlich, daß man auch ein treues Bild ihreräußeren Erscheinung bekommt. Die Litteraturgeschichte erhält fernerauch dadurch Leben, daß man Gelegenheit hat, zu erfahren, wie dieberühmten, so oft genannten alten Handschriften aussehen, welche unsdie Meisterwerke der alten Zeit überliefern, wenn man die Originaldruckeder epochemachenden Hauptwerke unserer Litteratur in ihrer Titelnach-bildung vor sich sieht. Die lebendige Anschauung dessen, was hiergeboten ist, wird namentlich für pädagogische Zwecke, für Alle,welche Litteraturgeschichte lehren und lernen, von großer Bedeu-tung sein.
Ein Umstand erleichterte die Herstellung des „Bilderatlas" wesent-lich, ja sie ermöglichte ihn erst: die neuerfundenen rein mechanischenReproductionsverfahren von Schrift- und Bildwerken. So sehr esvom Standpunkte der Kunst zu beklagen ist, daß durch die Photographieund die mechanisch vervielfältigenden Künste die Kunst des Porträt-malens, der Holzschnitt und Kupferstich leider immer mehr und mehrherunterkommen, so wichtige Dienste leisten diese mechanischen Künstedoch da, wo es sich um getreue, nicht manirierte Wiedergabe vonHandschriften, Drucken, Kupferstichen, Holzschnitten, Gemälden, Photo-graphieen handelt. Der „Bilderatlas" ist ein Beweis davon. Nur inden allerwenigsten Fällen war eine Umzeichnuug der Bilder nöthig; beiweitem die meisten Stücke konnten genau nach den Vorlagen, ohnenachbessernde, d. h. verändernde Hand wiedergegeben werden. Hierbeiist vor allem zu bemerken: wie die Vorlage, so auch die Nach-bildung. Äußere gleichmäßige, d. h. verfälschte Glätte war dahernicht zu erreichen, ja ist absichtlich nicht erstrebt. Wenn namentlich beiden Handschriftennachbildungen manche dunkle Stelle ist, so wolle manbedenken, daß im einzelnen Falle die Originale so sind, wie die Nach-bildungen es zeigen.
Zu jedem einzelnen Stücke ist über die Art der Wiedergabegenaue Rechenschaft gegeben. Die Vorlagen, wozu nichts bemerkt ist,sind rein mechanisch in der Größe der Originale nachgebildet. Daaber die Originale an so vielen Orten Europas aufbewahrt werden, und
die Aufnahmen nach den Originalen oft von Photographen gemachtwerden mußten, welche nicht immer die zu solchen Arbeiten erforderlichenInstrumente, noch die nöthige Übung hatten, so kann es vorgekommensein, daß geringe Abweichungen von den Originalgrößen der Vorlagenvorkommen, welche nicht in jedem einzelnen Falle bemerkt werden konnten.Diese etwaigen minimalen Unterschiede können aber umsoweniger inBetracht kommen — wenngleich sie natürlich besser vermieden wären— als der Charakter der Vorlagen doch immer genau und unverfälschtwiedergegeben ist. Die Lebensdata der meisten neueren Schriftstellersind nach Kirchenbüchern, Grabmälern, Leichenpredigten und sonstigemactenmäßigem gleichzeitigem Materiale nachgeprüft und haben sich viel-fach neue Resultate ergeben. Der Zweck des Bilderatlas verbietetes jedoch, ausführlich diese Ergebnisse, sei es, daß sie mit den bis-herigen Annahmen übereinstimmen oder davon abweichen, einzeln her-vorzuheben. Dies wird s. Z. an anderer Stelle geschehen, wo dannauch Mittheilung über die Ergebnisse der quellenmäßigen Porträt-forschungen gemacht wird.
Die meisten der im Texte vorgekommenen und bemerkten Druck-fehler und sonstigen Irrthümer sind in dem Inhaltsverzeichnisse be-richtet; weitere Verbesserungen sind am Schlüsse angefügt, wo auch diebenutzten öffentlichen und Privatsammlungen zusammengestellt sind. Aus-drücklich wird hiermit allen den in der Zusammenstellung ge-nannten Herren Beamten öffentlicher Sammlungen, welche inso bereitwilliger, freundlicher Weise die Benutzung ihrer Anstalten er-möglichten, sowie allen den Privatbesitzern, welche in gleicher Weiseihre Sammlungen dem Herausgeber zur Verfügung stellten, dessenherzlichster, aufrichtigster Dank wiederholt ausgesprochen.
Noch erübrigt es, speciell einiger Herren zu gedenken, denen ichzu besonderem Danke verpflichtet bin. Es sind dies Herr Professorvon Drach in Marburg, welcher namentlich bei der kritischen Be-stimmung der Bildnisse mir hilfreich zur Seite stand, Herr Archivar vr.Zimmermann in Wolfenbüttel und Herr Dr. Karl von Knoblauchin Marburg, welche sich der mühsamen Correctur des Druckes mitunterzogen. Herr Professor Crecelius in Elberfeld hat das Werkfortwährend mit hilfbereitem Interesse begleitet; Herr Professor Zarnckein Leipzig ertheilte bereitwilligst seinen Rath bei den Goethebildnissen.Zum Gelingen des ganzen Werkes trugen aber namentlich die HerrenAngerer und Göschl in Wien und Herr Meisenbach in Münchenbei, welche die bei weitein größte Anzahl der Clichös anfertigten,und der k. k. Hof- und Universitätsbuchdrucker Herr Adolf Holz-hausen, welcher den in mehr als einer Beziehung schwierigen Druckausgeführt hat. Die Zeichnung zu dem Einbande hat der Konser-vator des Hessischen Geschichtsvereins Herr Ludwig Bickell ange-fertigt, welchem unser Kunsthandwerk schon so manche stylgemäße Arbeitverdankt. Gern erfülle ich noch die Pflicht, dankbar des VerlegersHerrn W. Braun zu gedenken. Er ermöglichte es, daß der Bearbeiterin den hauptsächlichsten in Bettacht kommenden Bibliotheken und Samm-lungen umfassende Studien machen konnte und daß diese Arbeiten wesent-lich unterstützt werden konnten durch Anlegung einer großen Sammlungvon Bildnissen und eigenhändigen Handschriften unserer bedeutendstenSchriftsteller. Auch dafür bin ich dem Herrn Verleger zu lebhaftemDanke verpflichtet, daß er meinem Bestreben, nur kritisch sichergestelltesMaterial in bester Nachbildung zu bringen, durchaus zustimmte; daßbei diesem kritischen Bestreben manche schon fertige Platte wieder ver-worfen und durch neue, bessere ersetzt werden mußte, war unvermeidlich.
Zum Schlüsse noch eine Bitte an alle diejenigen, welchen der im„Bilderatlas" gebotene Stoff Freude macht, namentlich an die Sammlerund Vorsteher von Sammlungen: es ist dem Bearbeiter gewiß nochmanches Bildnis, manche Handschrift, manches Buch entgangen, welchesAufnahme verdient hätte, es ist auch gewiß Manches im „Bilderatlas" zuverbessern und zu ändern. Der Bearbeiter des „Bilderatlas" wird alleihm gütigst mitgetheilten Nachweise, Wünsche und Winke dankbarst ent-gegennehmen und benutzen.
Marburg, den 27. October 1886.
Kötmecke.