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Deutsche Sprachforscher und Literarhistoriker.
Mich. Huber (1727—1804); Joh. Christoph Adelung (1732—1806); Jos. Frh. v. Laßberg (1770—1855); Htinr. v. d. Hagen (1780—1856).
Johann Christoph Adelung.
Gemalt vo» A. Grafs, gestochen von Geyser. Ausschnitt.
Johann Christoph Adelung, geb. den 8. August 1732 zu Spanteckow, hatte inHalle Theologie studiert, war 1759—1761 Professor am evangelischen Gymnasium zuErfurt, lebte seitdem als Privatgelehrter in Leipzig, wurde 1787 Oberbibliothekar und Hof-rath in Dresden, wo er den 10. September 1806 starb. — Unter den vielen Werken, welcheAdelung vom Standpunkte der Aufklärung aus verfaßte, seien hier nur aufgeführt seinelexikalischen und grammatischen Arbeiten, welche in den Schulen lange Geltunghatten. „Versuche eines vollständigen grammatisch kritischen Wortschatzes der hochdeutschenMundart" (fünf Bände, 1774—1786); „Grammatisch kritisches Wörterbuch der hochdeutschenMundart" (vier Bände, 1798—1801); „Deutsche Sprachlehre. Zum Gebrauche der Schulenin den Königl. Preußischen Landen" (1781); „Umständliches Lehrgebäude der DeutschenSprache" (1782); „Vollständige Anweisung der Deutschen Orthographie" (1787); „Magazinfür die Deutsche Sprache" (1782—1784). — Richtiges Hochdeutsch ist ihm die Spracheder oberenStände in den Chursächsischen Landen; die Sprache selbst ist nach seiner An-sicht von einem rohen sinnlichen Volke nach dunkel empfundenen Ähnlichkeiten gebildet.— Erst später dämmert in ihm der historische Zusammenhang der Sprachen („Mithridates"1806 sf.); ein Curiosium ist seine „Älteste Geschichte der Deutschen, ihrer Sprache und Littera-tur bis zur Völkerwanderung" (1806).
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Joseph Freiherr von Laßberg.
Lithographie von I. Bauer aus dem Werke: „Brieswechsel zwischen Laßberg und Uhland", Wien 1870,
W. Braumüller.
Joseph Maria Christoph Freiherr von Laßberg, geb. 10. April 1770 zuDonaueschingen. Nachdem er die militärische.Laufbahn aufgegeben (1786), widmete er sichjuristischen und nationalökonomischen Studien, trat in den Fürstenbergischen Forstdienst(1788), wurde 1792 Obcrforstmeister in Schloß Heiligenberg, 1804 Landesoberforstmeister inDonaueschingen, 1806 Geh. Rath, 1818 Oberjägermeister. Von 1805—1817 stand er derFürstin-Mutter Elisabeth, welche für ihren unmündigen Sohn die Regierung führte, sehrnahe; 1817 zog er sich von den Geschäften zurück und lebte meist auf seiner HerrschaftEppishausen im Thurgau, seit 1888 auf der Meersburg am Bodensee, wo er am 15. März1855 starb. — Laßberg hat eine reiche und wichtige Sammlung alter Handschriften (273)zusammengebracht, darunter die Nibelungen-Handschrist 6, die nach ihm benannte Hohen-ems-Laßbergische. Diese Handschriften sind jetzt Eigenthum der fürstl. FürstenbergischenBibliothek zu Donaueschingen. — Laßberg hatte mit den bedeutendsten Germanisten seinerZeit lebhaften wissenschaftlichen Verkehr. Er gab aus seinen reichen handschriftlichen Schätzenunter Anderem heraus: „Liedersaal, das ist: Sammelung altteutschcr Gedichte aus unge-druckten Quellen" (vier Bände, 1820—1825).
Michael Huber.
Gemalt von A. Grafs, gestochen von Geyser, 1776. Ausschnitt des Bildmedaillons.
Michael Huber, der Verfasser der ersten Deutschen Litteraturgeschichte, ist geb.27. September 1727 zu Frankenhauseu in Niederbaiern. Er war etwa seit 1742 in Paris,wo er namentlich Deutsche Werke ius Französische übersetzte. 1766 gieng er nach Leipzig,wo er als Lector der Französischen Sprache (mit dem Titel Professor) den 15. April 1804starb. Er hat sich namentlich auch als Kunsthistoriker bekannt gemacht. — Im Jahre 1766erschien in Paris bei Humblot sein „6boix äes xossiss allsinanäss" (vier Bände). Demersten Bande dieses Werkes ist vorangeschickt: „Diseours prsliwinairs sur Ibistoirs äs 1apossis allsnianäs". Dieses ist (wenn man von D. G. Morhofs kurzer Übersicht im „Unterrichtvon der Deutschen Sprache und Poesie, 1682" absieht) die erste Zusammenstellung einer Deut-schen Litteraturgeschichte. Sie wurde von Ebeling im „Hannöverschen Magazine" 1767 und1768 als: „Kurze Geschichte der deutschen Dichtkunst" in Deutscher Bearbeitung herausgegeben.
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Heinrich von der Hagen.
Holzschnitt ailS der „Illustrierten Zeitung" (Nr.eSS vom L. August I8SL), nach nicht bekannt gewordener Vorläge.
Friedrich Heinrich von der Hagen, geb. 19. Februar 1780 zu Schmiedeberg inder Uckermark, war ursprünglich Jurist, trat 1807 aus dem Staatsdienste, um sich ganz derBeschäftigung mit dem Deutschen Alterthume hingeben zu können. 1810 wurde er an derneu gegründeten Universität Berlin außerordentlicher Professor der Deutschen Sprache undLitteratur, gieng als solcher 1811 nach Breslau, wo er 1817 zum ordentlichen Professorernannt wurde. Im Jahre 1824 kehrte er an die Universität nach Berlin zurück; hierstarb er den 11. Juni 1856. Im Jahre 1841 war er Mitglied der Berliner Akademiegeworden. — Hagen hat Bedeutung für die Germanisten durch den ungeheuren Eifer, mitwelchem er Deutsche Texte durch den Druck zugänglich machte; wissenschaftliche Grundsätzesind in seinen zahlreichen Arbeiten nicht vertreten. — Ausgaben (und Übersetzungen): „Nibe-lungenlied" (1807 erneuernde Umgestaltung; 1810 in der Ursprache; 1816 und 1820 nachder St. Galler Handschrift). Zusammen mit Büsching: „Deutsche Gedichte des Mittelalters"
I. 1808 („König Rother", „Herzog Ernst", „Wigamur", „St. Georg"), II. 1820 --- „Helden-buch" Band I. („Rosengarten", „Biterolf", „Gudrun" szum ersten Male) zusammen mit Pri-misser), II. 1825 — „Heldenbuch" Band II. („Kaspar von der Roens Heldenbuch" — sieheSeite 68 —, „Dietrichs Ahnen und Flucht, hürnen Siegfried"); — „Buch der Liebe" (1809;„Fierebras", „Tristan", „Pontus"); „Narrenbuch" (1811, „Schildbürger", „Salomon undMorolf", „Kalenberger", „Peter Leu"); „Edda" (1812); „Eddalieder" von den Nibelungen";übersetzt (1814); „Altnordische Sagen und Lieder" (1814); „Nordische Heldenromane"(1814-1816, fünf Bände); „Gottfried von Straßburg" (nebst Fortsetzern, 1823); „Minne-singer" (vier Bände, seit 1838, gedruckt seit 1826), hierzu als Band V: „Bildersaal" (1856);„Gesammtabenteuer" (100 altdeutsche Erzählungen, drei Bände, 1850), „Landgraf LudwigsKreuzfahrt" (1854). — Zeitschriften: „Museum für altdeutsche Litteratur und Kunst" (I.,
II. 1,1809, zusammen mit Docen); „Sammlung für altdeutsche Litteratur und Kunst"(1.1,1812, zusammen mit Büsching); „Germania"; „Neues Jahrbuch der Berliner Ge-sellschaft für Deutsche Sprache und Alterthumskunde" (10 Bände, 1835—1851). — „Grund-riß zur Geschichte der Deutschen Poesie von der ältesten Zeit bis ins XVI. Jahrhundert"(1812, angeblich zusammen mit Büsching).