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Deutsche Sprachforscher und Literarhistoriker.
Jacob Grimm (1785—1863); Wilhelm Grimm (1786—1859).
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Jacob Grimm
nach einer Originalphotographie, welche derselbe seinem Freunde, dem Pros. Wilhelm Arnold in Marburg
geschenkt hatte, umgezeichnet.
Jacob Ludwig Karl Grimm, geb. 4. Januar 1785 zu Hanau, wuchs in Steinaua. d. Straße auf (seit 1791), besuchte seit 17S8 das I^ssum Prictorieiannm zu Cassel,studierte 1802—1805 in Marburg, wo ihn namentlich Savigny anregte, welcher ihn auchnach Paris als Beihilfe zu seinen rechtshistorischen Arbeiten kommen ließ (Februar—Sep-tember 1805). Am 16. Januar 1806 erhielt er den Acceß beim Secretariate des Kriegs-collegiums in Cassel. Als in Westphälischer Zeit dieses Collegium in eine Truppenverpfle-qungs-Commission verändert wurde, nahm er seinen Abschied (Herbst 1807), erhielt durchJoh. von Müllers Vermittlung 1808 (5. Juli) die Verwaltung der Privatbibliothek desKönigs Jeröme in Wilhelmshöhe, wurde daneben 1809 (17. Februar) Auditor im Staats-rathe. Jacob Grimm hat bis znin Aufhören des Königreichs Westphalen (Oktober 1818)in dieser Stellung fast seine ganze Arbeitszeit zu seinen germanistischen Studien verwendenkönnen: ein merkwürdiges Geschick, daß der größte Germanist durch die Unterdrücker Deut-schen Lebens und Wesens die Möglichkeit erhielt, sieben Jahre in Ruhe seine Deutschen grund-legenden Studien zu treiben! 1813 (23. December) wurde er zum Legationssecretär ernanntund gieng dann zum Hessischen Gesandten ins Hauptquartier und nach Paris; nachherwar er mit auf dem Wiener Congreße (bis Juni 1815) und reiste nochmals nach Paris,uin voil dort Handschriften für Preußen zurückzuholen (bis December 1818). Im April1816 erhielt er die Stelle eines zweiten Bibliothekars an der Bibliothek zu Cassel, seinBruder Wilhelm war ein Jahr vorher schon als Secretär an derselben beschäftigt. BeideBrüder gaben diese Stellen 1829 auf, als sie die längst verdiente Beförderung an derBibliothek nicht erhielten; beide siedelten nach Göttingen über: Jacob als ordentlicher Pro-fessor und Bibliothekar, Wilhelm als Unterbibliothekar. Neujahr 1830 traten sie dieseStellen an. Als Jacob und Wilhelm 1837 mit noch fünf anderen Göttinger Professorengegen den Hannoverschen Verfassungsbruch Widerspruch erhoben, wurden sie ihres Amtesentsetzt (11. December); Jacob hatte außerdem binnen drei Tagen das Land zu verlassen.Er begab sich wieder nach Cassel; Wilhelm folgte 1888 im October ihm nach. 1841 beriefKönig Friedrich Wilhelm IV. beide Brüder als besoldete Akademiker nach Berlin. 1848war Jacob als Abgeordneter der Stadt Mühlheim Mitglied der Nationalversammlung inFrankfurt. Er starb den 20. September 1868 in Berlin. — Hauptwerke: „DeutscheGrammatik", I. (1819, 1822), II. (1826), III. (1831), IV. (1837); „Deutsches Wör-terbuch" (mit Wilhelm Grimm zusammen, Jacob bearbeitete die Buchstaben A, B, C, E, Fbis Frucht) (1852); „Geschichte der Deutschen Sprache" (1848); „Deutsche Rechts-alterthümer" (1828, 1834). — Andere Schriften: „Über den Altdeutschen Meisterge-sang" (1811); „Kinder-und Hausmärchen" (I. 1812, II. 1815; zweite AusgabeI., II.1819, III. 1822; zusammen mit W. G.); „Die beiden ältesten Deutschen Gedichte, das Liedvom Hildebrand und Hadubrand und das Wessobrunner Gebet" (1812, mit W. G.); „Alt-deutsche Wälder" (Zeitschrift I. 1813, II. 1815, III. 1816, mit W. G.); „Der arme Heinrich
Wilhelm Grimm
»ach einer Zeichnung, welche Wilhelm Grimm seinem Freunde, dem Pros. Wilhelm Arnold in Marburggeschenkt hatte, umgezeichnet.
von Hartmann von Aue" (1815, mit W. G.); „Lieder der alten Edda" (1815, mit W. G.);„Deutsche Sagen"(I. 1816, II. 1818, mit W. G.); „Irische Elfenmärchen" (1826, mit W. G.);„Uzmmornm vsksrum XXVI Interpret." (1830); „Reinhart Fuchs" (1834); „DeutscheMythologie" (1835 u.ö.); „Über seine Entlassung" (1888); „Lateinische Gedichte des X. undXI. Jahrhunderts" (1838, mit A. Schmeller); „Sendschreiben an Karl Lachmann über Rein-hart Fuchs" (1840); „Weisthümer" (I.—IV. 1840—1863, mit Dronke und Beyr); „An-dreas und Elene" (1841); „Über zwei entdeckte Gedichte aus der Zeit des Deutschen Heiden-thums" (1842); „Deutsche Grenzalterthümer" (1843); „Gedichte des Mitteialters aufKönig Friedrich I. den Stanfer" (1844); „Italienische und skandinavische Eindrücke" (1845);„Über das Pedantische in der Deutschen Sprache" .(1847); „Über Schule, Universität, Aka-demie" (1850); „Das Wort des Besitzes" (1850); „Über den Liebesgott" (1851); „Über denUrsprung der Sprache" (1851); „Über eine Urkunde des XII. Jahrhunderts" (1857); „Redeauf Schiller" (1860); „Rede auf Wilhelm Grimm und über das Alter" (1860). — „Klei-nere Schriften" I—VII (1864—1884).
Wilhelm Karl Grimm, Jacobs jüngerer Bruder, geb. 24. Februar 1786 zuHanau, bezog mit Jacob 1798 das Casseler I^osnin Ib-iocksrlolaimm, 1804 die UniversitätMarburg. 1806 legte er hier sein juristisches Facultätsexamcn ab, während der Zeit derWestphälischen Occupation Hessens war er ohne Amt, auch vielfach von Krankheit heim-gesucht. Er lebte und studierte mit Jacob zusammen. 1814 (4. Februar) wurde er zumSecretär an der Casseler Bibliothek ernannt. Seit April 1816 ist auch Jacob an derselbenBibliothek angestellt. Wie beide Cassel verlassen, nach Göttingen (wo er im März 1881zum außerordentlichen, im Juli 1835 zum ordentlichen Professor ernannt wurde) und dannnach Berlin berufen worden, ist bei der kurzen Lebenskizze Jacob Grimms schon erwähnt.Von den beiden, durch ihr ganzes Leben innig verbundenen, die gleichen Ziele erstrebendenBrüdern wurde Wilhelm zuerst abberufen: er starb zu Berlin den 16. December 1859. —Die mit Jacob verfaßten Schriften sind bei diesem angegeben; vom „Wörterbuche" be-arbeitete er den Buchstaben D. — „Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen" (1811);„Über deutsche Runen" (1821); „Zur Litteratur der Runen" (1828); „Grave Ruodols"(1828,1844); „DieDeutsche Heldensage" (1829); „vs Uilcksbranäo antignissimi oar-uunis tsntomoi kraAmsnkum" (1880; siehe Seite 6, und 7); „Vridankes Bescheidenheit"(1884; „Freidank" 1860); „Der Rosengarten" (1886); „Ruolandes Liet" (1888); „Wern-her vom Niederrhein" (1839); „Konrads von Würzbnrg goldene Schmiede" (1840; zuerstin den „Altdeutschen Wäldern", II. 1816); „Konrads von Würzburg Silvester" (1841);„Athis und Profilias" (1848, Nachtrag 1852); „Lxbortatio ack plsbsm ObriskianamAlossas Oassslanas" (1848, Nachtrag 1855); „Altdeutsche Gespräche" (1851, Nachtrag1852); „Zur geschützte des reims" (1852); „Thierfabeln bei den Meistersängern" (1855);„Marienlieder" (1856).
Jacob Grimmüber seineGrammatik.
Aus einem Briefe anPfarrer Bang in Goß-felden vom 8. Oetober1820. Jetzt ganz ge-druckt in dem Werke:Stengel, „Private undamtliche Beziehungender Bruder Grimm zuHessen". Marburg 1866,I, 62.