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Bilderatlas zur Geschichte der Deutschen Nationallitteratur : Eine Ergänzung zu jeder Deutschen Litteraturgeschichte / Nach den Quellen bearbeitet von Gustav Künnecke
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Älteste Deutsche Denkmäler.

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Reste aus heidnischer Zeit

Merseburger Zaubersprüche; Wessobrunner Gebet.

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DMLM

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Die beiden Merseburger Zciubersprüchc.

Sie sind enthalten aus Blatt 84« der aus verschiedenen Stricken zusammengehefteten Handschrift Nr. 68 der Merseburger Dombibliothek. Sie sind aufden Platz, welcher auf dieser Seite der Mischhaudschrift noch unbeschrieben war, von einer Hand des X. Jahrhunderts nachträglich geschrieben.Georg Waitz entdeckte diese, noch in das Deutsche Heidenthum zurüöreichenden Sprüche im Jahre 1841, Jakob Grimm gab sie zuerst heraus 1842

(Müllenhoff und Scheret, Denkmäler IV, i).

Erster Merseburger Zauberspruch.

(Auf die Fesseln eines Kriegsgefangenen.)

Nirir saruu iäis!, 8NMU bsr-t Moder,

Einst setzten sich Jdise, > fetzten sich hierher dorthin.

suuut Iiuxt Ilsxtiäuii, suina Iieri Isrictuu,

einige Haft hefteten. einige (das) Heer aufhielten.

suiu-t olnboäuu uwbt ouoiiiouiijdr:^

einige klaubten ringsherum Fesseln:

iiispriiio Iillptb-uiduii, iuuur uiZ-tuduu".

..entspring (den) Haftbande», entfahre (den) Feinden".

1 Walküren. L Etymologisch noch nicht erklärt.

Zweiter Merseburger Zauberspruch.

(Auf den verrenkten Fuß eines Pferdes.)

kbol suäs Iluoänu uuoruu ri Iioirll.

Phohl und Wodan fuhren (ritten) zu Holze (Walde).

äu nuai't äsiuo 8-tIdsrss uolon siu

da ward dem BalderS Fohlen sein

birsiiLlot.

verrenkt.

uuor

Fuß

tbu biZuolsu 8iiibt§uiit, 8uuua sr-i suistsr,

da besprachen Sinthgunt, Sunna ihre Schwester,

tbu bi^uolsu kriiü, Holla sra suistsr,

da besprachen Frija. Uolla ihre Schwester,

tbu biAuolsu Iluod-iir, so Irs uuola

da besprachen Wodan, so <was> er wohl

ooiidü,

konnte (verstand)

soss bsursidei, soss bluotrsuki, soss

so Beinverrenkung, so Blutverrenkung. so

liäireidei:

Gliederverrenkung:

bett. ri sbeua, liluot ri liluoä-r,

Bein zu Beine, Blut zu Blute.

Ild Lt Askidsii". soss Askimids, siu.

Glied zu Gliedern". als ob (sie) zusammengeleimt seien.

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Das Wessobrunner Gebet.

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Das Wessobrunner Gebet.

Es steht in der aus dem Oberbairischeu Kloster Wessobrunu stammenden, jetzt in der Münchener Biblio-thek befindlichen Handschrift Limolion 20, Blatt 05 >- und 60». Der Schrift nach gehört cS in den Ansangdes IX. Jahrhunderts, sein Inhalt jedoch ragt theilweise noch in heidnische Zeit. Es zerfällt IN drei Theile:I. Abdruck Zeile It. 2. Zeile s8, s. Zeile g13. Tie beiden eisten Theile sind in allitterierenden Stab-reimen abgefaßt. Der erste Theil vertritt noch durchweg heidnische Anschauungen vom Uranfänge der Dinget vergl. Voluspa), welche im zweiten Theile in christlicher Anschauung ihre Losung finde». Der drille chhellist ein christliches Gebet, welches an noch erhaltene Deutsche Gebets- und Beichtiormelii direct anklingt.Allitterationen und Reime finden sich in diesem Gebete, welches als Prosa hier abgedruckt ist, wenngleiches sich nicht verkennen läßt, daß der Schreiber der dem Gebete vorausgehenden Verse auch ei» Gedichtniederschreiben wollte. Aber die Wiederherstellung seines Gebetes als Gedicht möchte doch Wohl sehr schwierigund ebenso unsicher sein wie die verschiedenartigen Versuche, den offenbar arg entstellten -rext der beidenersten Theile des Wessobrunner Gebetes wieder herzustellen. (Müllenhoff und Schcrcr, Denkmäler I.)

Ds kostn. iVom Dichter.

Ont AaM'SAlu ib mit kirnbliuDas erfuhr ich mit <den> Menschen

änt ero u! uuns uobe ukbiiuil

daß Erde nicht war noch der Himmel oben

jiriiiuiWO lusistn

(als der) Menschenweisheit »leiste (größte).

Iiotl P-UIIU N0ti siSI'SA ulnoch Baum noch Berg nicht

uoki beini^s uoli

nicht noch einiges noch

Qvd mono iii liukitonoch Mond nicht leuchtete

81111113

Sonne

iioli

noch

Iii 866111nicht schien

ätzl' M31'60der herrliäie

860:

See:

war

0 Do 6 31' mnuiüt 111

INL38

entbo

iii

uusntso:

da (als) da nichts nicht

war

(der) Enden

noch

(der) Wenden

eirtr äo uuns cler eiuoinlluno miltisto

ulmnbtioo eot,allmächtiger Gott,

e-rtr clnr uuoruu nub »inunlds uiit illnu,

lO

der Mannen mildester

nnd

waren auch manniche mit ihni

cootliillw §618t3

eirti

eot

beil-ts.

göttliche Geister

und

Gott (der) heilige.

60t klllirilitieO)

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Iiiiiiil

6-E 61'ä3 Att111l0l'3Üß08

e-itr

Lu

Gott allmächtiger,

(der) du

Himmel

und Erde wirktest (schufest)

und

(der) du

111311111111 80

11131136

600ß

v0i'Mi)i, vor^ij) iiiii-

in

äiiio

Menschen so

mannich

Gut

gabst, gieb mir in

i (bei)

deiner

§3113cl3 1'6Üt3

§3l3U1>3

60t3U 111Ü116011 11U18t0111

6iiti

sx-tbiäs.

Gnade rechten

Glauben

NNd

guten Willen Wcisthum

und

Klugheit

Erklärendes zurEdda" auf nebenstehender Seite 4.

Die ältere oder Sämundische Edda ist die in Island entstandene nnd aufgezeichnete Sammlung von 31 (30)altnordischen Götter- und Heldenliedern. Ihren Namen hat die Sämundische Edda erhalten durch denBischof Bymjulfr Sveinsson in Island (163916741, welcher auf seine Abschrift des coäox re^ius schrieb:llääa Laemunäi multiseii, in der Meinung, daß diese alte Liedersammlnng die Grundlage der sogenanntenjüngeren, von Snorre Sturluson (-f-1241) verfaßten eigentlichen Edda (d...h. Urgroßmutter) fei; SaemundSigfnsson war ein Isländischer gelehrter Geistlicher, gestorben 1133. Über das Alter der Lieder, dereneinige schon christlichen Einfluß zeigen, gehen die Ansichten der Forscher sehr auseinander; dem > III. Jahr-hunderte ungehörige Bestandtheile sind sicher noch darunter. Die Sammlung entstand in der norm, in welcherwir sie jetzt haben, nicht vor dem Anfange des XIII. Jahrhunderts.

e-rtr ei'kkt liuk'Inli 2-1 nni6g.i'8ßkliitcUin6 e-rör 3,i'e 2 a ^iimiscunici

und Kraft Teufeln zu widerstehen und Arg zu vermeiden

eE cliiici-il iinillsoii 2a Muui'eliaiiiie.

und deinen Willen zu wirken (thun).

1 Die Überschrift: äs posta, vom Dichter, ist eine Überleitung vom vorhergehenden Ab-schnitte der Handschrift, in welchem von den sieben freien Künsten geredet wird. Der Schreiber der Hand-schrift will nun auch vom Dichter,handeln und schreibt glücklicher Weise statt dessen dieses Gedicht auf.2 Runenzeichen für 6. 3 Die leichteste Änderung für diese offenbar verderbten Worte ist: uoli vaü

oini§ noch irgend ein Bach. 4 Formelhaft: nichts in Enden und Wenden (Grenzen).