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Volkslieder.
XVI. Jahrhundert, zweite Hälfte.
Einzeldruck „zweier schöner neuer Lieder" (um 1560).
Zwey schöne ne
we Neder / Bas erst / Es
steht ein Lind in jenem Thal/rc.m seiner eygnenMe-lodey.
Zas ander/ich müst von
hinnen scheiden /rc. In seinereygnen weiss zü singen.
Titel.
Fraw Nachtigal schwang jhr ge-fyder anst/sie schwang sich fürs Bur-genmeysters haust / sie schwang sichfürs Burgemncystcrs haust.
Da sie kaiufurs Burgenmeistevshaust/ da lägt das braun Meydlcrnzürn fenster aust/ Da lägt das braunMeydlein zäm fenster aust.
Gottgrüsseuch jungft-aw hüpschvnd fein/ Da schenckich euch ein rin-gelein/Da schenck ich euch ein ringe-lein.
Wasschenckt sie dem knaben wi-der/ein büsch mit Rranichs federen/embuscb mitR.ranichs federen.
Die Federen waren wol bereit/essoll sie tragen ein stolyer leib/es sol sietragen ein stolyer leib.
wer ist der vns das A edlein sang/ein freyer Trummeker ist ersgenant/
ein
3 .
steht ein Lind in jenem Thal/U^ist oben breit vnd vnden schmal/^^ist oben breit vnd vnden schmal.
Ist obenbreik vnd vnden schmal/darauffda sitzt fraw ^kachtigal/da-rauff da sitzt fttaw Nachtigal.
Ich meint du bist ein kleines waldvögeleiu/du sieugst den grünen waldaust vnd ein / du fleugst den grünenwald aust vnd ein.
Fraw k^achtigal du kleines waldvögelein / ich wölk du solst mein bot-ee fein/ich woltdu sollst mein bortesein.
Ich wolt du soltst mein botre sein/vnd fahren zu der Hertz aller liebstenmein / vnnd fahren zu der Hertz allerliebsten mein.
Fraw k^achtigal schwang ihr ge-lber anst/sie schwang sich für eins
2l ij
i.
ein freyer Trummeter ist ers genant.
Er singt vnns das vnd noch vielmehr/Gott behüt alle schönen Jungfrawen jhr ehr/Gott behüt allen schoneu Jungftawenjhr ehr.
Ir ehr vnd auch jhr steten sinn/alsde ich fahr mir rrauren dahin/ aldeich fahr mir cranren dahin.
Em ander Gcd.
Ch müst von hinnen scheiden/be-trübet ist mir mein sinn/das ichdich schöns lieb muß meiden/ vö ganyem hertzenmein/ Ach Gott wendmir mein schmeryen/ ehe das ich garverzag/ schöns lieb von ganyem her-tzen/fur jch ein grosse klag.
Gäc Gesell wiltdu von hinnen/bringt meinem hertzen groß pein/ ichkom schier vö mein sinnen/ ich armesJungckstewelein/ tröst nach in mei-nen nöten/ vn bleib ein weil bey mir/
gross
4 .
^oldschmtdrs hauss/sie schwang siehmr eins Goldschmirs haust.
Da sie kam für des Goldsthmidtshaust/ da bor man jhr zu rrincken he-raust/ da bor mau jhr zürrincken Her-sruß.
Ich rrinck kein hier vnd auch keinwein/Dann bey guten gesellen frischvnd si^lich sein/ dan bey gären gesel-len frisch vnd frölich sein.
Ach Goleschmidk lieber Goldt-schmit mein/mach mir von Goldtein ringelein/mach mir von Goldteinringelein.
Mach mir von Goldt ein ringelein/rs gehört der Hertz allerliebste mein/es gehört der Hertz aller liebste mein.
Vnd da das ringlein war bereit/groß arbeit war daran geleit/großarbeit war daran geleit.
Frauw
2 .
groß jamer Wirt mich todten/ so dirnun scheidest von mir.
So gib ich dir gesangen/das jungsiüsch herye mein/dar zu mein großverlangen/du zarces jungstewelein/dein münd lein ror mit freude/bringemeinem beryenpein dz ich dich schö-nes lieb mäß meiden/es kam vn magnitanders sein / duligst mir in meimheryen/keiu andere komprmirs da-rein.
Geeruck zü Scrassburg.
bey Lhiebolr Berger/zum Treübelam TVeinmarck.
am TVeinmarck.
5 .
Druck „zweier schöner neuer Lieder": „Es steht ein Lind in jenem Thal" und „Ich muß von hinnen scheiden". Gedruckt Straßburg bei Thiebold Berger (um 1560 ).
Aus Uhlands Sammlung von Einzeldrucken von Volksliedern, jetzt aus der Universitätsbibliothek in Tübingen. — In dieser Form, d. h. aus 4—6—8 Seiten in Octav, wurden im XVI. und XVII. Jahrhundert die meistend Volkslieder verbreitet; und noch heute werden „schöne neue Lieder" in solchen Einzeldrucken, namentlich auf Jahrmärkten, feil gehalten.