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Bilderatlas zur Geschichte der Deutschen Nationallitteratur : Eine Ergänzung zu jeder Deutschen Litteraturgeschichte / Nach den Quellen bearbeitet von Gustav Künnecke
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XVII1-XIX. Jahrhundert.

Pädagogik, Philosophie.

Heinrich Pcstalozzi (17461827), Wilhelm von Humboldt (17671835), Johann Gottlieli Christian Fichte (17621814).

WMM

Heinrich Pestalozzi.

Hundzeichnung von Diogg im Pestalozzistübchen zn Zürich. Nach Originalphotographie.

Gezeichnet von Fr. Krüger, gestochen von Eduard Eichens. Ausschnitt.

Wilhelm v. Humboldt.

Wilhelm von Humboldt, der Aesthctiker, Sprachforscher,Staatsmann, geb. 22. Juni 1767 in Potsdam. Er studierte 1787 inFrankfurt Jura, 1788 in Göttingeu. Bevor er 1790 als Kammer-gerichtsreferendar in Berlin eine kurze, schon 1791 abgeschlossene Be-amtenlaufbahn betrat, war er mit seinem früheren Lehrer Campe1789 im revolutionären Paris. Seinen Privatstudicn, namentlich denklassischen und ästhetischen, lebte er fortan, bis er Februar 1794 nachJena gieng. Hier blieb er mit größerer Unterbrechung (1795) bis 1797im vertrautesten Verkehre mit Schiller und Goethe. 17971808brachte er auf großen Reisen und als preuß. Gesandter in Rom zn.1809 übernimmt er die Abtheilung des Cultus und Unterrichts imPreuß. Ministerium d. I., in trübster Zeit Deutschlands und Preußens.Die erste große geistige deutsche That, die Schöpfung der Berliner Uni-versität, ist namentlich sein Werk, ebenso dieBerbesserung des Volks-schnluntcrrichtes durch Einführung der Methode Pestalozzis. Seit 1818war er in verschiedenen politischen Missionen thätig, war 1819 Mitglieddes Staatsministerinms, nahm in demselben Jahre seine Entlassung undlebte seitdem in Berlin und Tegel seinen Studien. Er starb zu Tegelden 8. April 1835. Schriften:Acsthctische Versuche über Hermannund Dorothea" (1799);Übersetzung des Agamemnon desAeschylos"(1816);Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues undihren Einfluß auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts"(1886);Briefe an eine Freundin" (Charlotte Diedc, geschrieben seit1822) (1847);Briefwechsel zwischen Schiller und W. v. H." (1830,hierinVorcrinnerung über Schiller und den Gang seiner Geistes-entwicklung");Sonette" (1858);Goethes Briefwechsel mit den Ge-brüdern von Humboldt" (1876);Briefe an Ch. G. Körner" (1880).

Heinrich Pestalozzi,der Schöpfer des Anschauungs-unterrichtes, geb. 12. Januar1746 zu Zürich. Er studierteTheologie, dann Jurispru-denz, trieb dann PraktischeLandwirtschaft. Bevor er seineberühmte Erziehungsanstaltin Iverdun (Jferten im Kan-ton Waadt) gründete (1805),hatte er wiederholte Versuchegemacht, für die Kinder derarmen Volksklassen Schulenund Erziehungsanstalten ein-zurichten. Seine Schule inUvcrdun, womit auch ein Se-minar für Lehrer verbundenwar, stand namentlich imzweiten Jahrzehnt unseresJahrhunderts in höchsterBlüte und ist die Wiege desneuen Volksschulnnterrichtcs;sie bestand bis 1825. Pesta-lozzi starb den 17. Februar1827 in Brugg im KantonAargau. Er ist nach seinemWunsche unter der Dachtraufeeines Schulhauses, und zwarin Birr bei Brugg, beerdigt.Außer streng pädagogischenSchriften, verfaßte er denpädagogischen Roman:Licn-hard und Gertrud" (17811785); ferner:Christophund Else", zweites Volksbuch(1782).

Kupferstich von Chodowiccki zn PestalozzisLienhardund Gertrud".

Lienhard und Gertrud treten in Rudis Wohnung, dessen Kinder ihnenentgegenlaufen. Links im Vordergründe ist Arner und seine Frau, da-neben Rudi; im Hintergründe der Pfarrer und seine Frau. Aus derfranzösischen Übersetzung des Buches, Berlin 1783, Blatt XII. Engel-mann, Chodow. 455.

Joh. Gottlieb Chri-stian Fichte, geb. 19. Mai1762 zu Rammeuau (Ober-lausitz) in ärmlichen Ver-hältnissen, studierte seit 1780in Jena Theologie. Durchseine Schrift:Versuch einerKritik aller Offenbarung" (ge-druckt 1792) erwarb er sichKants Gunst. Nach vorüber-gehendem Aufenthalte in Zü-rich (17931794), wo cr Pe-stälozzi kennen lernte undVorlesungen hielt, wurde er1794 Professor in Jena; derAtheismusstrcit" führte seineEntlassung herbei 1799. Ergieng nach Berlin, hielt hierVorlesungen vor einem größe-ren Pnblicnm, war für dasSommersemester 1805 in Er-langen, für das Winterse-mester 1806 in KönigsbergProfessor; hierauf war erIvieder in Berlin, wo er Pro-fessor an der neugegründetenUniversität wurde (1810) undam 29. Januar 1814 amLazarethfieber starb. Haupt-schriften:Grundlage dergesammten Wissenschaften"(1794);System der Sitten-lehre nach den Principiender Wissenschaftslehre" (1798).SeineReden an die deut-sche Nation" hielt er imWinter 1807/1808 im Ber-liner Akadcmiegebäude; siebereiteten die WiedergeburtDeutschlands vor, kräftigtendas sittliche Bewußtsein undentflammten zum heiligstenPatriotismus in der Zeittiefster Schmach.

Johann Gottlieb Christian Fichte.

Gezeichnet von Bury, gestochen von A. Schultheis. Verkleinerter Ausschnitt. Aus dem beBreitkoPf und Härtel erschienenen Werke: (3V)Bildnisse berühmter Deutschen."