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Erstes Kapitel
Quattrocento, das der Erfindung der Buchdruckerkunst.In sein letztes Viertel fällt Raphael's Geburt.
Raphael war der Sohn eines Malers im mittlerenItalien . Mußte als kleiner Knabe schon in ein fremdesAtelier eintreten. Verwaiste früh. Gelangte jung, aberals fertiger Maler bereits, nach Rom in die höchstenKreise. Arbeitete dort, starb vor seinem vierzigsten Jahreund hinterließ in Rom einen Palast, Reichthum, trauerndeFreunde, doch keine Familie. Neben Michelangelo undLionardo da Vinci wurde ihm seiner Zeit nur die dritteStelle gegeben, heute übertrifft er an Ruhm sie und alleMaler, die je gelebt haben.
Das wiederauftauchende Alterthum warf seine erstenStrahlen in die Zeiten der Kindheit Raphael's. Wiemüssen sie geleuchtet haben und wie die Zukunft, die dasneue Licht versprach! Wie muß es Raphael in die Seelegedrungen sein! Raphael, der nicht ahnte was historischeKritik sei, sondern was Anmuthendes erzählt oder gedrucktwurde für baares Gold nahm. Alle glaubten Allesdamals. Nur ganz Einzelne, die in der Stille Manchesbezweifelten. ,Geschichte' bedeutete den Anblick eines fest-lichen Gedränges herrlicher Männer und Frauen, die einin Urzeiten sich verlierendes Dasein erfüllten, dessenUmfairg Niemand ermaß. An dessen Anfang Adam undEva, die beiden schönsten Menschen, standen. Und alldie Bewohner dieser strahlenden Vergangenheit schienengewußt zu haben, ihre Ausgabe werde sein, zukünftigenVölkern das Beispiel zu gewähren, wie aus Erden gelebt,gedacht und genossen werden müsse.
In allen Zeiten hat eine Ahnung des Vergangenenund Zukünftigen über uns Menschen geschwebt. EinGefühl kommenden Glücks oder Unheils hat unsere Schritte