Vergangenheit und Zukunft
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vorsichtiger oder leichter gemacht. Zuversicht und Be-sorgniß haben gewechselt. Ich erinnere mich meinerJugend, wo der gesammte Bereich der Geschichte nocheinen bethörenden Anblick bot. Eine unwiederbringlicheVergangenheit lockte mich an/ die Erforschung uranfäng-licher, heroischer Zeiten erschien als das edelste Ziel derWissenschaft. Die Menschen waren anfangs größer undstarker und sprachen mit den Ueberirdischen.
Heute dehnt das Vergangene als eine in ungleich-mäßigem Lichte daliegende, unübersehbare Ebene freudlosvor unseren Augen sich aus. Richten wir die Aufmerk-samkeit dieser oder jener Stelle zu, so tritt sie mit gleich-gültiger Deutlichkeit hervor, das Uebrige verharrt inDämmerung und Verschwommenheit, und die gesammteVergangenheit gewährt trotz unzählbarer Details keinBild. Die Gegenwart wiederum, die uns früher alsunfaßbar erschien, bietet eines. Das im Leben des Tagesuns umdröhnende Gewirr von Thatsachen lasse sich,glaubten wir früher, nicht zusammenfassen. Goethe hattegesagt: ,Unmöglich ist's, dem Tag den Tag zu zeigen'.Diese Worte gelten heute nicht mehr. Goethe stak ineiner schwerfälligen Zeit. Ein ihm unbekanntes Elementaugenblicklicher Umwandlung des Geschehenden in Historieist zu einem Theile unseres öffentlichen Lebens geworden.Fürst Bismarck hat in seinen Ansprachen der letztenZeiten mündlich eine Geschichte der Gegenwart gegeben.Wir sind uns wohl bewußt, daß das heute, gestern undmorgen sich Ereignende der weiteren Zukunft, welchedie uns noch geheim bleibenden Acten lesen darf, inEinzelnheiten einen anderen Anblick gewähren wird,' alleinwir heute Lebenden erfahren aus directer Einwirkungder Menschen den Willen, die Absichten und die Kraft