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Das Leben Raphaels / von Herman Grimm
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Geistige Empfänglichkeit des Quattrocento

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gesehen von Allen. Nie vorher und nachher herrschte diespielende Leichtigkeit, die Gedanken, deren der Tag be-durfte, bildlich zu geben. Unersättlich waren die Augen,unerschöpflich die Kunst. Ziehen wir in Betracht, wassich an Kunstwerken des Ouattrocento aus Italien hinwegund dort selbst sich verloren hat, so erscheint die Massedes Verbleibenden noch erstaunlich neben der breit genughervortretenden Produktion der folgenden Jahrhunderte.Die letzte Blüthe dieser gleichsam naturwüchsigen Thätigkeiterblicken wir in Raphael's anfänglichen Werken. Er istfür Italien einer der freundlichsten Repräsentanten desunabhängigen, unschuldigen, in sich beschlossenen Daseinsder Künstler des Quattrocento, wie für Deutschland Dürer der Vertreter des verklingenden Deutschen Quattro-cento gewesen ist. Die Zeiten der Reformation, dieRaphael mit seinen letzten Werken dann eben noch berührt,und die des darauf folgenden Jahrhunderts haben denbildenden Künstlern räumlich umfangreichere, großartigereAufgaben gestellt als das Quattrocento, ihnen nicht aberdie von Herzen kommende verständnißvolle Dankbarkeitbewiesen, die ein Zeichen der älteren Zeit ist. In ihrstand man sich persönlich näher und auch die Werke standendem Volke näher. Der Reiz des Colossalen, Massen-haften, Ueberladenen wurde im Quattrocento nicht ver-langt. Man suchte kleine Räume behaglich zu schmücken,und auch großen Palästen und Kirchen war trotz ihrerWeite dies Beschränkte eigenthümlich, so daß menschlichesKörpermaß den Maßstab der Architektur abgab. Manhatte noch nicht das Gefühl, die eigne Würde dadurchzu erhöhen, daß man Häuser für sich baute, die eher fürRiesen gepaßt hätten. Ueberall in Europa begegnen wirdieser Begnügsamkeit und selbst wo die offenbare Absicht