Buch 
Das Leben Raphaels / von Herman Grimm
Seite
13
JPEG-Download
 

Die Erbschaft des Alterthums

13

die Erde berührte. Das Rom , wohin, wie das Sprich-wort sagt, alle Wege führen.

Italien war im Quattrocento getheilt in eine MengeHerrschaften. Zwei große Städte im Norden, Mailand und Venedig , die eine die Hauptstadt mächtiger, despotischwaltender Häuser, die andere sich selbst regierend. DannFlorenz . Dann Rom . Dann im Süden das ,Königreich',wie man sagte ohne ,Neapel ' dazuzusetzen, und dieseHauptpunkte Centren dazwischenliegender kleinerer Staats-wesen: Städte, deren Schicksal in den Händen verschieden-artigster Gewalten ruhte. Und dieser große Bestand,nach innen durch unübersehbare Feindschaften getrennt,nach außen durch die Gleichartigkeit des Volkscharaktersein geschlossenes Ganzes bildend. Ueber den Dialektenwaltete die Sprache Dante's und Petrarcha's als deranerkannte vornehmste Ausdruck nationaler Gedanken,und über dieser vulgären Sprache wieder die lateinische,als zweite Muttersprache gesprochen und geschrieben. Inihr hatten die Jtaliäner die Philosophie und sogar dieDichtkunst der antiken Welt erneuert und ein allge-meines Publikum geschaffen, das die nationale geistigeProduktion herausforderte. Aus einem Gemisch adligerund bürgerlicher, geistlicher und weltlicher Elementebestehend, die ungezwungen mit einander verkehrten unddem Fremden den Anblick einer gleichmäßigen hochstehen-den Bevölkerung boten, etwa wie England ihn bis aufdie jüngste Zeit dem übrigen Europa gegenüber zeigte,sahen die Jtaliäner aus Franzosen, Deutsche und Spanierals auf Barbaren herab, wie in antiken Zeiten dieGriechen Ausländern gegenüber empfunden hatten.

Aus den antiken Autoren lernten die Jtaliäner desQuattrocento, wie hoch man die Künstler ehedem geschätzt