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Drittes Kapitel
die geistige Spannkraft gewichen ist. Fast sollte esscheinen, als habe die bildende Kunst als Erklärerin derEvangelien hier das Aeußerste geleistet. Manches ausMantegna's Composition zeigt ferne Anklänge an Raphael'sWerk, als habe er des Stiches sich erinnert, den er, wieeine ihm zugeschriebene Federzeichnung zu beweisen scheint,copirte.
Wie anders aber faßt Raphael auf seinem eigenenGemälde nun die Scene! Der laute Jammer ist gedämpftund die zusammenbrechende Maria in den Hintergrundversetzt- als sei sie umgesunken als der Zug vorwärtsschreitend an ihr vorüberkam, giebt sie gleichsam denAnblick irdischen Todes im Vergleich zu Christus, derwie von ewigem Leben erfüllt nur schlummernd daliegt.Die zweite Maria, dicht neben dem Leichnam, scheintnur deshalb dem Zuge sich angeschlossen zu haben, weilsie die Hand Christi nicht sinken lassen wollte, die erhobenzu halten ihr Amt war. Die Träger des Leichnamsschreiten im Gefühl, die edelste Last zu tragen, einher.Und Christus selber: Milde und Ruhe und Schönheitwohnen noch in ihm, sein Geist erfüllt noch seinen Leichnamund verklärt ihn. Keiner vor Raphael und nach ihmhat den Abglanz himmlischen Lichtes auf irdischen Formenso darzustellen gewußt.