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Das Leben Raphaels / von Herman Grimm
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-« Viertes Kapitel

Raphael zwischen diese beiden Männer gerieth, säst einKind, aber von unermüdlicher Leistungsfähigkeit. InRom hatte nichts Werth als geistige Potenz: Geburt undGeld konnten damit ausgewogen werden. Es verstandsich von selbst, daß wer den höchsten Ehrgeiz und dieentsprechende geistige Kraft besaß, zum höchsten Zielegelangte. Jeder war, was er im Momente zu seinStärke genug hatte. Diese Reducirung des Menschenauf sich allein war Roms Geheimniß. Es galt nur, sichdenen unentbehrlich zu machen, die stärker waren als manselber. Und neben diesen Zielen, die dem Ehrgeizewinkten, die unaufhörliche Erinnerung an die Vergäng-lichkeit alles Irdischen, die nirgends von den Steinen sogepredigt wird wie in Rom .

Damals war Raphael's späterer bester Freund, derGraf Castiglione, in Rom eingeritten. Denn zu Fußeoder zu Pferde: anders reiste man nicht damals. Erschreibt ein Sonett:

Ihr Hügel Roms und ihr geweihten Trümmer,

Die ihr den Namen nur der Stadt gerettet!

So Manchem ward in Eurem Staub gebettet,

Der einst gestrahlt und dann verlöscht auf immer.

Colosse, Säulen, hochgeschwungne Bogen,

Einst im Triumph, im Glück, im Glanz errichtet:

Fort! oder, schlimmer noch, beinah vernichtet,

Und um den wohlerworb'nen Ruhm betrogen.

Ein Volk, das euch nicht kennt, hängt seine SagenAn eure Reste. Tausend Jahre thürmen,

Was wieder tausend Jahre nun verzehren.

Und ich! Wird nicht nach kurzgemess'nen TagenMit all den Gluthen, die es noch durchstürmen,

Mein Herz als Staub zu diesem Staub gehören?