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Das Leben Raphaels / von Herman Grimm
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<« Viertes Kapitel

Arbeiten Raphnel's, die in der gleichen Zeit etwa ent-standen sein sollen, ihm sicher zuzuschreiben seien.Raphael stellte sich, sahen wir, als Hauptausgabe bei derMadonna di Sant' Antonio, Petrus und Paulus involler Realität erscheinen zu lassen, und es gelingt ihmdas in einer Weise, daß man die Tasel sür das Werkeines fertigen Meisters halten möchte. Der hier zumAusdrucke gebrachte Gegensatz der beiden Männer die dierömische Kirche begründeten, beruht auf ernster Beobach-tung der Natur und tritt in vielen Zügen hervor, dieman erst allmählich herausfindet.

Vergleichen wir sie noch einmal.

Petrus blickt uns an mit dem Ausdruck unerschütter-licher Majestät, oder, um es anders zu sagen, selbst-bewußter Herrschergewalt. Sie muß von denjenigen alsdie vornehmste Eigenschaft des Petrus vorausgesetztwerden, die den von Christus zu seiner Nachfolge aus-drücklich Berufenen in ihm erblicken. Raphael hat Petrus ,wo er ihn später darstellt, nicht ganz in dieser herrscher-mäßigen Ruhe aufgefaßt, sondern mehr eine gewisseWiderstandskraft bei ihm hervorgehoben. Paulus, Petrusgegenüber, zur Linken der Madonna, hat bei etwas ge-senktem Kopse die Augen in das Buch gerichtet, das ermit beiden Händen aufgeschlagen hält. Er ist ein jüngererMann als Petrus . Zwar zeigt auch bei ihm sich derScheitel ohne Haar, die Stirnlocke ausgenommen, aberdas vorhandene Haar, das bis in den Nacken herabgeht,ist dunkel und kräftig gleich dem mächtigen, lang undvoll herabhängenden Barte. Die Beschaffenheit vonGesichtszügen kann ja immer nur bis auf einen gewissenGrad beschrieben werden und man läßt sich hier leichtzu mehr fortreißen als gestattet sein möchte: darin aber