Buch 
Das Leben Raphaels / von Herman Grimm
Seite
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Der Paulus und Petrus Raphael's

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glaube ich nicht zu irren, wenn ich Raphael's Bestrebenhier erkenne, Petrus als den Repräsentanten der in sichberuhenden Energie, Paulus als den Vertreter desschwärmerischen Studiums, verbunden jedoch mit nichtminderer Krast, hinzustellen. Petrus blickt uns, mitüberwältigender Erfahrung Gehorsam verlangend undgebietend an: wollte auch Paulus seine Augen erheben,so würden sie uns sanft zu ihm hinziehen. Wir dürfennicht vergessen, daß für die Kirche Paulus nicht nur derstudirte Soldat jwie Schwert und Buch andeuten), sondernauch der bis in die Himmelsräume entrückte Visionärgewesen ist. Eins der Gedichte Raphael's selber beginntmit den Worten, wie Paulus , nachdem er die Geheim-nisse Gottes erschaut, geschwiegen habe, so solle auch seinMund geschlossen sein über das, was er bei seiner Ge-liebten erfahren habe. Ersichtlich ist auf dem Gemäldedie Mühe sowohl als das Können, mit dem Raphaeldie beiden Apostel ausführte, die, rein künstlerisch be-trachtet, in ihrem männlichen Ernste zur Madonna undden beiden weiblichen Heiligen neben ihrem Throne nureinen wirksamen Gegensatz zu bilden hätten.

Auf der Disputa begegnen wir Paulus und Petrus nun zürn zweiten Male, in ganz verschiedener Gestaltaber, so daß die Unbefangenheit, mit der Raphael dieheiligen Personen in ihrer äußeren Erscheinung stets demkünstlerischen Bedürfnisse dienstbar macht, hier rechthervortritt^ als Greise nehmen sie hüben und drüben dieersten Plätze neben den auf der Wolkenbank sitzendenHimmelsbewohnern ein. Wie wenig Raphael aber gewilltgewesen sei, damit einen festen Typus zu schaffen, läßtdie im zweiten vatikanischen Gemach später ausgeführteFreske: Mtila vor Norm erkennen. Paulus und Petrus