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Das Leben Raphaels / von Herman Grimm
Seite
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Michelangelo's Verhalten zu Raphael

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,Von nichts Anderem ist hier die Rede, als von demVerluste dieses Mannes, der mit dem Schlüsse seines drei-unddreißigsten Jahres nun sein erstes Leben beschlossenhat. Sein zweites, das des Nachruhmes, wird, unab-hängig von Tod und Zeitlichkeit, in seinen Werken undin dem, was die Gelehrten zu seinem Lobe schreibenwerden, ewige Dauer haben?

Als srühestes Zeugniß für Raphael's Stellung zumrömischen Publicum haben wir den Anstellungserlaß, mitdem Leo X . ihn im zweiten Jahre seiner Regierungzum Architekten der Peterskirche erhob. Er beginntmit dem Satze, die ausgezeichneten Leistungen Raphael's als Maler seien bekannt. Waren Raphael's Leistungenauch als Baumeister derart, daß er zum NachfolgerBramante's , des ersten Architekten der Welt, ernanntwerden konnte, so gewinnt das Schriftstück umfassendenInhalt.

Das zweite Zeugniß ist jener Brief des CelloCalcagnini, der uns das Gefühl giebt, die außerordent-liche von Raphael ausgehende Wirkung sei nicht bloßseinen Werken entsprungen. Zwar sagt Calcagnini nicht,Raphael sei das Haupt einer Partei gewesen. BriefeAnderer aber aus Leo's X. letzten Zeiten lassen erkennen,daß Raphael eine Partei organisirte, oder daß sich unterseinem Namen die Gegner Michelangelo's zusammen-fanden. Wichtig ist dem gegenüber Michelangelo's Ver-halten zu Raphael . Als nach Raphael's Tode Michel-angelo's eigene römische Partei in ihn drang, er mögedie vatikanischen Wandflächen, auf denen die SchülerRaphael's nach dessen Zeichnungen fortarbeiteten, für sichund die Seinigen fordern, fetzte er den dahinlautendenBriefen wiederholt Stillschweigen entgegen.

Grimm, Raphael. 4. Aufl.

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