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Neuntes Kapitel
Bembo's lateinische Grabschrist, die noch an Ort undStelle ist, enthält nur Allgemeinheiten. Die frühesteBiographie Raphael's, in trefflichem Latein geschrieben,hat Tiraboschi zuerst an's Licht gezogen. Ich bin nichtganz sicher, ob Giovio sie schrieb: jedenfalls rührt sie vonJemand her, der Raphael persönlich gekannt hat. Dreikurze Charakteristiken Michelangelos , Lionardo's undRaphael's finden wir hier zusammen ^). Von Raphael'sLiebenswürdigkeit, die ihm die Gunst der Mächtigengewann, ist darin die Rede. Von seinem Glücke, das ihmGelegenheit geboten, immer im günstigsten Momente seineKunst zu zeigen. Von der Anmuth, seiner Werke.
Der Gemälde selbst erinnert sich der Verfasser nur schwach.Aus der Camera della Segnatura erwähnt er nur denParnaß, ,wo die neun Musen dem singenden ApolloBeifall klatschen*! Aus dem zweiten Zimmer jene Mus-erstehung Christi*. Aus dem dritten Zimmer die ,un-menschliche Wildheit des Totila*, mit Totila nämlichbringt er den Burgbrand in Verbindung. Die Nieder-lage des Maxentius giebt er richtig an und die Ver-klärung Christi* nennt er Raphael's letzte und höchsteLeistung. Das Bewunderungswürdigste daraus sei dervom bösen Geiste geplagte Knabe. Der Ton, in demvon Raphael gesprochen wird, zeigt, daß man in ihm denjungen Mann sah, dessen Laufbahn erst hätte beginnenmüssen. Der Verfasser der Notiz begegnete ihm wohlam Hofe Leo's. Raphael hat die Vorzüge, die die Natur