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Das Leben Raphaels / von Herman Grimm
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----- Neuntes Kapitel

blieb sie so gut wie ohne Augen zurück. Jetzt aber habenwir Zurückgebliebenen die gute, oder vielmehr beste Artdie er uns als Vorbild hinterließ, nachzuahmen, ihrer,wie seine Kunst uns zur Pflicht macht, im Geiste dank-barst zu gedenken und mit Worten ihm ehrenvollste Er-innerung zu weihen. Denn in Wahrheit wurde durchihn die Kunst, das Colorit und die Erfindung, alles inEinem zu einer höchsten Vollendung erhoben, die sichkaum erhoffen ließ: Niemand möge sich zum Gedankenversteigen, Raphael könne übertreffen werden. Außerdieser Wohlthat, die er den Künstlern als ihr Freunderwies, ward er auch bei seinen Lebzeiten nicht müde,uns darin ein Vorbild zu sein, wie man mit Großen,Mittleren und Niederen zu verhandeln habe. Unter seinenbesonderen Gaben finde ich eine von solcher Bedeutung,daß ich im Stillen staune, wie der Himmel ihm die Kraftgab, als Künstler unter Künstlern eine unserem Naturellso entgegengesetzte Wirkung hervorzubringen, die nämlich,daß die Künstler nicht nur die niedrigen, sondern auchdie, welche hohe Ziele verfolgen jwie es deren unter unsunendlich viele giebt) wenn sie mit Raphael zusammenarbeiteten, ohne Weiteres gleichen Sinnes und so ein-trächtig waren, daß jede böse Laune in seinem Anblickedavonflog und jeder gemeine und niedrige Gedanke ihnenaus der Seele siel; eine Eintracht, die niemals sonst ge-herrscht hat. Die Ursache war, daß sie unter dem Banneseiner Freundlichkeit und seines Könnens standen, undmehr noch, unter der Herrschaft des Genius seiner gutenNatur. Diese war so erfüllt von edler Liebenswürdigkeit,so überfließend von hülsreicher Liebe, daß man sogar dieThiere ihm Ehrfurcht bezeugen sah, geschweige denn dieMenschen. Man erzählt, daß wenn ein Maler, mit dem