Basari's schriftstellerisches Verfahren
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Nun erzählt Vasari in seinem Leben Raphael's von1550, Giovanni Santi habe nicht gewollt, daß das Kindzu einer Amme aus dem Hause gegeben werde (wie inItalien heute noch Sitte ist), sondern daß die eigne Mutteres stille, ,damit es zu Hause das väterliche gute Benehmenvor Augen habe'. 1568 aber setzt er hinzu: ,und nichtin dem Hause eines Bauern weniger edles und rohesBenehmen und Anschauungen'. Daß dies aus Michelangelo gehe, zeigt schon der Beginn der Biographie, wo Vasari sagt ,Raphael wurde der Welt geschenkt, als die Natur,besiegt in der Kunst durch Michelangelo , nun in Kunstund edlem Benehmen zugleich besiegt werden sollte'.
Vasari aber, wenn er Raphael durch solche Vergleichehöher stellte, tras das Richtige: Raphael wurde auch alser noch lebte als ein Muster liebenswürdiger Lebens-führung angesehen. Er war feurig und berauschend wieedler Wein. Das unsterblich Jugendliche war ihm eigen.Wenn der mantuanische Gesandte ihn mit 33 statt mit 37Jahren sterben läßt, so war das schon ein Anfang derMythenbildung. Der Mythus ist deshalb nicht unwahrweil er das gemein Thatsächliche übersieht. Allen seinenKünstlerbiographien sucht Vasari durch Aufnahme dessenwas im Publicum an Erinnerungen sich erhalten hatte,größere Lebendigkeit zu verleihen. Immer mehr trittseine Unzuverlässigkeit zu Tages trotzdem, ohne Vasari würde die Geschichte der toscanischen Kunst im Nebelstecken. Er athmete florentiner Lust. Mitten in derStadt hatte Vasari ein Gefühl des Geschehenden. Vasari'seigene glänzenden Zeiten waren die unter Alessandro dei Medici , wo er jung, ehrgeizig und von Arbeitskraftüberströmend den Launen und Wünschen seines selbstjungen Herrn unermüdet genügte. So dachte er sich die