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Das Leben Raphaels / von Herman Grimm
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Neuntes Kapitel

Künstler aber wollte er ihn ausgeschlossen wissen. Diejugendliche kraftvolle Einfachheit Raphael's war ihm zu-wider. Bernini schien wie Voltaire gleich als alter Mannaus die Welt gekommen zu sein. Er hätte sich selbstverneint, hätte er Raphael als Muster gelten lassen. BeiBernini's Tode aber fand sich, daß in seiner Richtungnun kein Schritt mehr zu thun sei. Poussin war nebenihm mit seiner Raphaelverehrung eben nur geduldetworden, Sacchi, der bedeutendste einheimische Meister,hatte nicht wagen dürfen sich zu Raphael zu bekennen:endlich aber war auch Bernini's Reich zu Ende undMaratta , Sacchi's Schüler, trat für Raphael ein, wäh-rend der erste Kunstgelehrte der ewigen Stadt, Bellori ,litterarisch die gleiche Anschauung hatte. Schon als inden neunziger Jahren des siebzehnten JahrhundertsDorigny's Stiche nach den Gemälden der Farnesina er-schienen, schrieb Bellori einen erklärenden Text dazu.Nicht lange darauf ließ er die Beschreibung der vatikani-schen Stanzen Raphael's folgen (deren Autorität heutezum Theil noch fortdauert) und lenkte die Aufmerksam-keit auf deren herabgekommenen Zustand. Bereits Endeder achtziger Jahre hatte Maratta die Gemälde wenig-stens zu schützen gesucht: jetzt brachen bessere Tage an.Der Cardinal Albani, mit Beginn des 18. JahrhundertsPapst, theilte Bellori's und Maratta's Begeisterung fürRaphael. Unter dem Widersprüche Vieler, die mit drein-zureden hatten, wurde die Erlaubniß erwirkt, vorerst nurein kleines Stück auf einer der Fresken der Camera dellaSegnatura mit griechischem Weine abwaschen zu dürfen.Der Auftrag, das Ganze zu reinigen, war die Folge.Ein großer Moment, als der Papst die neugeborenenWände zum ersten Male besichtigte.