114
Die Dichter ruft er fern und nah, die Maler und die
Sänger
Und stopft mit großen Namen aus der großen Männer Lücken.
Die Namen thun es freilich nicht, und fei'n sie europäisch,
Sie können nur als Säulenzier des Tempels Neubau
schmücken;
Doch nur der Jugend tapfere Hand, nur frischer Geister
Streben
Kann von dem Baum der Gegenwart lebend'ge Früchte
pflücken.
Leicht welkt der beste Lorbeerkranz auf alters-kahler Scheitel,
Und eine Genie geht auch nicht weit auf Stelzen oder Krücken.
Ihr schreit genug, Ihr schreibt genug, Ihr seht durch Eu're
Brillen
Im Kater einen Löwen gleich und Adler in den Mücken;
Wir aber, hinter'm Berge hier, wir lassen uns nicht blenden,
Wir wissen auch, was rechtes Haar, was Zöpfe und Per-
rücken.
Das sag' ich Euch in Vieler Sinn, und sollt' es Euch ver-letzen,
So mögt Ihr Euch am rechten Fleck ganz ungehindert jücken.
Und wär' ich schlechten Reimen hold, ich wüßte Wohl noch
Manches,
Das trefflich paßt auf Eu'ren Stolz, auf Eu're bösen Tücken:
Ihr wißt doch, was „ersticken" heißt, was „zwicken",
„flicken", „knicken",
Was geistige „Fabriken" sind und stille „Katholiken", — ?
Allein ich hab' es selber satt und weise, mit Behagen,
Du eitle, kalte, falsche Stadt auf ewig dir den Rücken! —