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Vor meinen Blicken schwebt in keuschem LichteEin and'res Bild, das meiner Seelen-Braut,
Der hab' ich mich im Leben, im GedichteMit deutschem Wort auf ewig angetraut.
Ihr Aug' ist schön, ob minder schön, als Deines.Es strahlt nur Frieden, Deines flammt Entzücken.Dein Kuß ist Gluth, der ihre nur ein reines,
Ein hauchendes und flüchtiges Beglücken;
Du neigst Dich ganz in duldender GewährungUnd ziehst die Deinen stark hinab zu Dir,
Sie schwingt sich stets in züchtiger Verklärung,Lächelnd und wehrend, aus den Armen mir.
Ihr Kummer furchte nimmer Deine Stirne,
Doch schwellt ihr Stolz auch nimmer Deine Adern;Du ahnst die Lust nicht, heit're Schmeicheldirne,
Mit Sklaven und Tyrannen kühn zu hadern.
Ein Kind der Glücklichen, hast Du mit ArmenUnd mit Gefang'nen nimmermehr geweint,
Hast nie des Himmels Frieden voll ErbarmenMit uns'rer dunklen Erde Kampf vereint.
Geh' und berausch', betäube Dich auf's Neue,Versuch'S, die rasche Stunde festzuhalten;
An deinem Antlitz nagt doch stille Reue,
Und Ueberdruß zerreißt's mit grauen Falten.
Um eine Nacht, dann welken Rosen-Kränze,
Und Deiner Reize blühend' Reich zerfällt,
Der Lorbeer aber grünt im ew'gen Lenze,
Und ihr, der And'ren, ist die junge Welt.
Dingelstedt.'s Werks. VIII.
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