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Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
Entstehung
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IX
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Vorwort.

IX

Bei Beurtheilung der Darstellung bitte ich das Eine zu erwägen, dassvon dem ganzen Reiche der Bildnerei nur für die antike Gränzmark genügendeVorarbeiten bereit lagen. Und da seit Brunn s trefflicher Geschichte dergriechischen Künstler die griechische Plastik durch J. Overbeck eine soanziehende Darstellung erfahren hat, so hätte ich, weil ich im Ganzen undGrossen mit dem Verfasser mich im Einklänge befinde, am liebsten einfachauf dieses Buch verwiesen, wenn ich nicht doch in manchen Punkten ab-weichender Ansicht wäre, die sich grossentheils da ergab, wo ich die eigeneAnschauung der Originale voraus hatte. Meine Darstellung der neuestenErwerbungen kleinasiatischer Kunst gehören namentlich hierher. Aber auchsonst habe ich aus den jüngsten Entdeckungen auf ägyptischem, orientalischemund griechischem Boden manches Wichtige meinem Buche einverleiben können.

Für die Kunst des Mittelalters hielt ich den Grundsatz fest, aus demWüste des lediglich antiquarisch Merkwürdigen das künstlerisch Werthvolleherauszuziehen. Dass ich damit das Verdienstliche rein archäologischerForschung auch in diesem Kreise nicht in Frage stellen will, bedarf kaumder Versicherung. Ich hätte sonst nicht selbst so viel Zeit und Mühe mitähnlichen Untersuchungen aufgewandt. Aber für die kunstgeschichtlicheDarstellung sind andere Gesichtspunkte festzuhalten. Die Abschnitte meinesWerkes, in denen die grossen Epochen der nordisch-mittelalterlichen Kunst-blüthe geschildert sind, die Zeiten vom 13. bis in’s 16. Jahrhundert, werdenhoffentlich beweisen, dass hier eine Menge neuen Stoffes für die Kunst-geschichte zu Tage geschafft worden ist. Bei einem Vergleich mit denvorhandenen Darstellungen dieser Epochen dürfte sich ergeben, dass ichhier durch eine nicht unansehnliche Zahl bisher kaum bekannter oder nichtgenügend erkannter Monumente manchen Baustein für die Geschichte derPlastik habe selbst herbeischaffen müssen. Dagegen war freilich für diegleichen Epochen der italienischen Kunst in Jac. Burckhardt’s schon er-wähntem Cicerone eine unübertreffliche , fast erschöpfende Darstellung vor-handen. Hier habe ich nur für das eigentlich Historische durch Benutzungder neuerdings erschienenen italienischen Specialarbeiten, wozu auch derzum Abschluss gekommene Lemonnier sehe Vasari gehört, einiges Neue ge-winnen können. Wenn nun meine Darstellung ungleich und zum Theil selbstunlebendig geworden, wenn sie nicht aus einem Gusse in die Form geflossenist, so möge die Verschiedenheit des Materials dies entschuldigen; am Mo-delliren und auch am Ciseliren hal’s nicht gefehlt.

An Abbildungen hätte ich gern in manchen Partieen des Buches mehrgeboten; doch war die Schwierigkeit, gute Vorlagen zu schaffen, bisweilenunübersteiglich. Erwägt man dies, so wird man an manchem Gelungenensich erfreuen und ausserdem eine Anzahl unbekannter oder nach neuen,-