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Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
Entstehung
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Einleitung.

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Dennoch sucht sie bald auf dem verlornen Gebiet ein bescheidenesPlätzchen wieder zu gewinnen. Sie kann es nur erreichen, indem sie aufihre eigentlichsten Aufgaben verzichtet. So fügt sie sich denn dem neuenGeiste, löscht die Erinnerung an die vollendete Schönheit menschlicherForm aus dem Gedächtniss und schreibt die geistige Bedeutungdes Individuums, den Ausdruck der freigewordenen, erlöstenSeele in ihr Programm. Es ist die selbstverleugnende Demuth, welchedas Christenthum von Allen, auch von der Plastik verlangt. Und dieseThat der Entsagung belohnt sich; sie. bringt der Bildnerei ein zweitesLeben, neue nie geahnte Früchte. Im Kampfe mit der Ungunst der Zeitenund der geistigen Anschauung, in noch gefährlicherem Wetteifer mit derbegünstigten, glänzend erblühten Schwester, der Malerei, erstarkt sie all-mählich zu erfolgreicher Thätigkeit.' Treu und geduldig strebt sie, inihrem so viel ungünstigeren Materiale das Geistige, das Individuelle, dasSeelenleben zu gestalten. Mit energischer Hand gräbt sie dem Marmor,prägt sie dem Erz die volle Schärfe charakteristischen Sonderwesens ein,wie die neue Weltordnung es hervortreibt, unendlich manniclifaeh undwechselnd. Sie überwindet selbst ihre angeborne Scheu vor dem Un-schönen und weiss sogar dem Hässlichen durch entschlossene Behandlungden Stempel des geistig Bedeutenden, persönlich Anziehenden zu geben.Es kann nicht fehlen, dass sie auf dieser schmalen Bahn manchmal dieGrenzen überschreitet, dass sie, in dem nothgedrungenen Wetteifer mitder Malerei, in das Gebiet der Schwesterkunst übergreift und mehr mitmalerischen als mit plastischen Mitteln zu wirken sucht. Es giebt Epochen,wo eine völlige Verkennung ihrer Grenzen sie zu äussersten Ausschrei-tungen verleitet; wo sie in wilder Anarchie mit dem Meissei malt und demgeduldigen Steine die Ausgeburten einer unplastisch gewordenen Phantasieaufzwingt. Man wird sie mehr bedauern als verklagen. Aus ihrer Heimathverbannt, mag sie nur mühsam sich der alten Gesetze erinnern in einerWelt, welche die alten Götter nicht mehr kennt und in neuen Lebensformenund Gestaltungen ihr Genügen findet.

Dennoch gewinnt auch nach solchen Verirrungen, nach solchenkrankhaften Fieberträumen die Plastik durch strenge Zucht die Gesund-heit wieder. Sie besinnt sich der alten Gesetze, die einstmals ihre Richt-schnur waren. Die schönheiterfüllten Gestalten der griechischen Götterwerden wieder ans Tageslicht gezogen, ein Gegenstand der Bewunderung,der Verehrung, des Studiums. Aus ihnen strömt der Bildnerei Gesundheitund Klarheit zu, und indem sie ihren neuen Werken einen Abglanz jenerewigen Schönheit verleiht, indem sie der scharf ausgeprägten Form descharakteristisch Besonderen den Hauch des Idealen, Unvergänglichen

Die christ-liche Plastik.

Gefahr desVerirrens.

Erneuerungder Plastik.