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Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
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Erstes Buch.

Kampfbilder.

sein Privatleben sind mit unermüdlicher Ausführlichkeit geschildert. DasAlles fanden wir auch schon zu Nimrud. Aber während dort das Reliefsich in einer gewissen Knappheit bewegt, mit wenigen kräftigen Zügen,die ohne merkliche Veränderung immer wiederkehren, ist in KujjundschikAlles reicher, lebendiger ausgeführt und mit einer unerschöpflichen Fülleneuer Einzelzüge ausgestattet. Der wortkarge, etwas stereotype Chronistvon Nimrud wird in Kujjundschik zum orientalisch redseligen Erzählervon Jagd- und Kriegsgeschichten, der in seine Berichte Alles aufnimmt,was eine vielseitige, scharfe Beobachtung des Lebens ihm an genrehaftenDetails geliefert hat. So wird die Schilderung hier zu einem farbenreichen,in aller Breite und Fülle durchgeführten Bilde des Lebens, das um sofrischer wirken musste, da ursprünglich theilweis eine kräftige Kolorirungbei allen assyrischen Sculpturen die Wirkung verstärkte.

Durchmustern wir zunächst die Kampfscenen, so finden wir kein Endein Betrachtung des Reichthums, mit welchem die ganze Wirklichkeit voruns aufgerollt wird. Eine Reihe von Platten stellt, wie es scheint, einenKriegszug Sennacheribs in das südliche Babylonien dar. Die Gegend istgenau charakterisirt, das sumpfige Marschland durch zahlreiches Schilfangedeutet; im Strome schwimmen Fische und grosse Krabben, die mitihren Scheeren kleinere Fische gepackt halten. Eine befestigte Stadt wirdvon den Assyrern belagert; die Krieger marschiren in einem Walde vonPalmenbäumen und Cedern, um deren Stämme und Zweige sich Wein-ranken winden; die Bäume mit ihrem Nadelholz, die zierlichen Wein-blätter und die Trauben sind bis in’s Kleinste mit unübertrefflicher Zart-heit ausgeführt. — Dann wieder wird mit derselben Sorgfalt der Triumphüber die Feinde dargestcllt. Die Krieger bringen ihrem Herrscher alsschreckliche Siegeszeichen die abgehauenen Köpfe der Feinde dar, derenZahl gewissenhaft von einem Schreiber auf ein Täfelchen verzeichnet wird.Wenn hier und in ähnlichen Scenen Reihen von gleichartigen Gestaltenaufmarschiren, so zeigen sie nicht mehr die Monotonie, welche die frühereKunst solchen Gegenständen gab; vielmehr wird überall in der Haltungdes Körpers, im Schreiten oder in der Bewegung der Arme Mannigfaltig-keit der Motive erstrebt und oft mit vielem Glück erreicht. So sieht manSchaaren von Kriegern hintereinander reitend, wobei nicht bloss diePferde bisweilen sich umwenden, sondern auch die Reiter in mannigfacheWechselbeziehung zu einander gebracht sind. — Ueberaus lebendig istdie Darstellung eines Sieges Assurbanipals über die Völkerschaft vonSusiana; besonders auffallend erscheint dabei die unverkennbare Lust,mit welcher eine ebenso zierliche als sorgfältige Meisseiführung im Schil-dern von Grausamkeiten schwelgt. Man sieht haufenweis übereinander