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Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
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Zweites Buch.

Zweifel haben wir es mit einem Kampfe von Griechen gegen rohereStämme zu tlnin, denn die unbekleideten Kämpfer vertheidigen sich mitgrossen Felsblöcken gegen Jene. So sind denn die Götter auch gewissdie Beschützer der Griechen; Athena erkennt man auf der einen Seiteleicht, und ihr schliessen sich noch eine weibliche und eine männlicheGestalt an, von denen die letztere sich zu lebhaftem Interesse, fast zumEingreifen in den Kampf hingerissen zeigt. Ihnen gegenüber sieht manzwei männliche und eine schlanke, zarte weibliche Göttin. Die Frauen-gestalten sind ganz in schöne faltenreiche Gewänder gehüllt; bei denmännlichen ist der Oberkörper entblösst und zeigt grossartige Formen, in

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Fig. 49. Vom Friese des Theseustempels zu Athen,

denen eine durchaus ideale Auffassung bereits das Göttliche andeutet.Die Kampfscenen sind voll Leben und Frische, in grosser Mannichfaltig-keit der Motive; Siegen und Unterliegen schwankt zwischen beiden Par-teien noch hin und her, so dass die Theilnahme des Beschauers wie ineinem Drama aufs lebhafteste ergriffen wird. Dasselbe lässt sich vondem etwas kürzeren Friese der Westseite sagen, wo wir den Kampf derAthener und Lapithen gegen die Kentauren sehen (Fig. 49). Dieser Ge-genstand ist der damaligen griechischen Kunst einer der geläufigsten undliebsten; er bot nicht allein einen grossen Reichthum an plastischen Mo-tiven, sondern empfing ohne Zweifel auch eine tiefere symbolische Be-deutung in jener Zeit, die eben durch Besiegung der Perser den Berufder Hellenen zur Beschützung der höheren Kultur von Neuem be-währt hatte. In diesem Friese sieht man keine Götter dargestellt; die