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Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
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139
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Zweites Kapitel Die griechische Plastik. Geschichtliche Entwicklung. 139

hingen, wie die der Männer und der Kentauren. Man hat zu diesen Me-topen Künstler verwendet, die im Kräftigen, Männlichen glücklicherwaren als im Zarten, Anmuthigen, und auch dies würde durch EinflüsseMyronischer Kunst sich wohl erklären.

Endlich ist des Frieses zu gedenken, der in einer Ausdehnung von Der Fries522 Fuss innerhalb der den ganzen Tempel umgebenden Säulenhalle die Parthenon.Cellamauern umzog. Seine Marmorplatten befinden sich grösstentheils imbritischen Museum, und da im Ganzen über 400 Fuss davon erhalten sind,so lässt sich über Idee und Zusammenhang der Composition genügend

Fig. 51. Vom Parthenonfries. Britisches Museum.

urtheilen. Der Fries stellt den Festzug dar, welcher am Schlüsse derPanathenäenfeier zur Akropolis hinaufzog, um der Göttin das von athe-nischen Jungfrauen gewebte und gestickte Gewand, den Peplos, zu über-bringen. Es war das höchste Fest der Athener, ebensowohl von religiöserals politischer Bedeutung; es vereinte in dem herrlichen Zuge Alles, wasdie erste Stadt Griechenlands von Jugend, Schönheit, Adel und Ehr-würdigkeit in sich schloss, um der jungfräulichen Beschützerin der Stadtzu huldigen. Schöner konnte der Künstler die Bestimmung des Fest-tempels nicht ausprägen, als indem er an seinen Flächen die Prozessionder Panathenäen darstellte. Der Geist aber, in welchem er diese Auf-gabe auffasste und durchführte, zeugt aufs-Klarste von dem hoch idealenSinne des Phidias. Desshalb ordnete er an der Ostseite, als der Seitedes Einganges, eine helire Götterversammlung an, in deren Beisein die