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Zweites Buch.
Chares.
Andre
Schulen.
Pamophon.
Thebanische
Künstler.
spricht am deutlichsten die Wandlung der Zeiten, denn was man früherobjectiv aus dem idealen Wesen der Aufgabe zu entwickeln suchte, daswird jetzt zum Gegenstände der subjectiven Phantasie des Künstlers. Obdas Original dieses Werkes aus Erz oder Marmor gewesen, wissen wirnicht, da Eutychides in beiden Gattungen der Technik thätig war. Da-gegen hatte er den Flussgott Eurotas aus Erz gebildet, und zwar mit solebensvoller Charakteristik, dass ein Epigramm die Statue „flüssiger alsWasser“ nennt.
Der berühmteste Künstler aus der Schule des Lysippos war Charesaus Lindos, der für die Fortentwicklung der Plastik dadurch von Be-deutung wurde, dass er die sikyonische Kunst nach seiner HeimathRhodos verpflanzte. Seine Meisterschaft bestand, nach dem Vorgängedes Lysippos, in Herstellung von kolossalen Werken. Weltberühmt warseine Statue des Sonnengottes zu Rhodos, an welcher er zwölf Jahre, ge-arbeitet haben soll. Sie war 105 Fuss hoch und erregte noch als siesechsundsechszig Jahre nach ihrer etwa 291 v. Chr. erfolgten Aufstellungdurch ein Erdbeben zertrümmert worden war, die staunende Bewunderungder Beschauer. „Wenige sind,“ sagt Plinius, „im Stande, den Daumenmit den Armen zu umspannen, und die Finger allein sind grösser als diemeisten Statuen.“ In solchem Streben nach Kolossalität, die nicht mehrdurch Macht des geistigen Ausdrucks aufgewogen wird, dürfen wir einegefährliche Richtung der Kunst nicht verkennen.
Ausser Athen und Sikyon erblühten selbständige Kunstschulen indieser Epoche in den durch die politischen Verhältnisse zu vorübergehen-der Bedeutung sich erhebenden Staaten Messene und Theben. Messenehat in Damophon einen bedeutenden Künstler aufzuweisen, der um somerkwürdiger ist, da er sich in seinem Schaffen den Bestrebungen derpeloponnesischen Kunst völlig entgegenstellt. Ausschliesslicher als irgendein anderer Plastiker Griechenlands geht er in Götterdarstellungen auf,deren eine grosse Anzahl ihm beigelegt werden. Damit hängt es zusam-men, dass er gar nicht als Erzgiesser, sondern nur als Marmorbildncr be-kannt ist. Mehrmals arbeitete er auch Akrolithe, zum Theil von kolossa-ler Grösse, so dass er in mannichfacher Beziehung einer älteren Kunst-richtung zu huldigen scheint. Dass auch die Goldelfenbeintechnik ihmnicht unbekannt war, bewies er durch Wiederherstellung des aus denFugen gewichenen olympischen Zeus von Phidias.
In Theben ist eine Reihe von tüchtigen Bildhauern thätig, derenRichtung sich der von der sikyonischen Schule begründeten ansehliesst.Unter ihnen darf mau die beiden Meister Hypatocloros uud Aristoyeitonals hervorragende Künstler betrachten wegen einer umfangreichen