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Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
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Zweites Buch.

Kleinere

Erzwerke.

Grössere

Erzarbeiten.

Zu den ältesten der erhaltenen Werke darf man die Bronzestatuetteeiner bekleideten weiblichen Figur (Spes?) im Museum zu Florenz rech-nen, die in dem breiten, reizlosen, nüchternen, von Kreislöckchen einge-fassten und von hoher Spitzhaube bedeckten Kopf und der gespreiztenaffektirten Zierlichkeit, mit der die Linke das enge Gewand gefasst hat,ein Typus der harten, anmuthlosen Seltsamkeit acht etruskischer Bildnereiist.*) — Besser und in freierer Bewegung stellt sich die kleine Bronze-figur eines unbärtigen, mit leichtem Mantel bekleideten Mannes im Kir-cherschen Museum zu Rom dar, welche inschriftlich von einem KünstlerC. Pomponius herrührt und allem Anscheine nach**) um 200 v. Chr.entstanden ist. Dies Figürchen, das aus Etrurien stammt, liefert wie-derum den Beweis, dass damals neben griechischem Einfluss eine ent-schieden italische Kunst fortgeblüht hat. Dagegen ist die lebendigeund fein durchgeführte Statuette eines jugendlichen Kriegers, der zumAngriff ausschreitet und mit dem vorgehaltenen Schilde sich deckt(Museum zu Florenz), ein treffliches Werk, welches der griechischenAuffassung näher steht.***) — Von den zahlreichen kleinen Bronze-werken, die überall in Museen sich finden nnd theils durch eine gewisseTrockenheit, theils durch barock phantastisches Wesen sich leicht vonden griechischen Arbeiten unterscheiden lassen, sei noch (ebenda) die in-teressante Gruppe zweier Krieger erwähnt, die einen gefallenen Ka-meraden aus der Schlacht tragen. Sie ermangelt zwar einer, rhythmischenWohlordnung in Composition und Linienführung, erfreut aber im Ein-zelnen durch Lebenswahrheit des Ausdrucks und der Bewegung.

Aehnlich diesen kleineren Werken mangelt auch den grösseren Erz-bildern meistens der edle Rhythmus, der freie Schwung griechischer Kunst.Sie geben im besten Fall, wie die am trasimenischen See gefundeneStatue des Redners Aulus Metellus in den Uffizien zu Florenz (Fig. 91),durch eine zwar trockene, aber scharf charakteristische Behandlungdas treue Abbild >eines ehrsamen und verständigen, etwas hausbackenenWesens, oder erheben sich, wie in dem Knaben mit der Gans, im Mu-seum zu Leyden, (Fig. 92) zum Ausdruck schlichter Natürlichkeit undUnbefangenheit. Auch die lebensgrosse Statue eines jugendlichen Krie-gers,' bei Todi gefunden und jetzt unter der unpassenden Benennungeines Mars im Museum des Vaticans, zeichnet sich ebensowohl durchgediegene, sorgfältige Behandlung wie durch das Gepräge lebensvoller

*) Micali, a. a. 0. Taf. 15.

’*) Vergl. Brunn, Geseh. d. griech. K. I. S. 533 fg.

***) Micali, a. a. 0. Taf. 14.