Viertes Kapitel. Die Bildnerei bei de;i Römern. 239
sie erscheinen in voller kriegerischer Rüstung, oft in der bewegteren Stel-lung, in welcher die Anrede an die Armee gehalten wurde („statuae tho-racatae “). Bei diesen Werken ist die treue und genaue Wiedergabe desvollständigen Kostüms eben so bezeichnend wie bei den griechischenPortraitstatuen die mehr andeutende leichtere Behandlung des Gewandes.Daneben kamen auch häufig Statuen zu Pferde oder auf Quadrigen, letz-tere als Bekrönung der Triumphbögen, allgemein in Gebrauch. Eine zweiteGattung von Bildnissen waren die sogenannten achilleischen Statuen. Inihnen wurde eine Verschmelzung des Individuellen und Bealen mit demAllgemeinen und Idealen erstrebt, indem man die Kaiser meistens alsJuppiter, die Kaiserinnen als Juno, auch wohl — namentlich in spätererZeit — als Venus auffasste.
Unter den erhaltenen Bildnissen dieser Epoche findet sich manchesgeistvolle mit Meisterschaft behandelte Werk. Eines der grossartigsten
Fig. 100. Statue der älteren Agrippina. Capitol.
ist die colossale achillgische Statue des Pompejus im Palaste Spada zuRom, vielleicht dasselbe Denkmal, an dessen Fusse Cäsar, von denDolchen der Verschworenen durchbohrt, niedersank. Eine grossartigeTogastatue des Cäsar (mit aufgesetztem, aber antikem Kopfe) besitzt dasMuseum zu Berlin. Unter den Statuen des Augustus zeichnet sich dieaus der Basilika von Otricoli stammende des vaticanischen Museums, in
Beispiele.