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Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
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Viertes Kapitel. Die Bildnerei bei den Römern.

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versetzen, indess ein Hund das herabträufelnde Blut des geheiligten Thieresaufzehrt. Eins der Haupt - Beispiele ist das grosse Belief im Louvre.Ebenso gehören auch die meisten jener barocken Darstellungen der hun-dertbriistigen Artemis dieser Zeit an.

Für den allmählichen Verfall der Portraitbildnerei liefern die Statuenund Büsten der späteren Kaiser eine wichtige chronologische Anschauung.Aus dem Beginn dieser Periode ist uns in der ehernen Beiterstatue M.Aurels auf dem Capitol ein noch immer bedeutendes Werk erhalten;freilich fehlt ihm der ideale Hauch jener herkulanischen Beiterbilder, undstatt einer schwungvolleren Auffassung ist eine gewisse trockne Nüchtern-heit unverkennbar. Das letzte bedeutende römische Kaiserportrait ist dasoft wiederholte des Caracalla, zugleich psychologisch interessant durchdie erbarmungslose Genauigkeit, mit welcher das confiscirte Verbrecher-gesicht dieses Scheusals charakterisirt ist.Bei diesem Kopfe, sagtJacob Burckhardt, steht die römische Kunst wie vor Entsetzen still; siehat von da an kaum mehr ein Bildniss von höherem Lebensgefühl ge-schaffen. In der folgenden Zeit wird die Auffassung immer geistloser,die Behandlung immer flauer, oberflächlicher, oder sie sucht in kleinlicherHervorhebung der Aeusserlichkeiten, besonders in pedantischer Detailli-rung des Haupthaares sich zu überbieten. Aermlich ist es auch, dass indieser Zeit das abbreviirte Bildniss, die Büste, über die Statue den Siegdavon trägt. Bei den Frauenköpfen kommt die abgeschmackte Gewohnheitauf, durch bewegliche steinerne Perücken, die leicht durch andere ersetztwerden konnten, den Geschmacklosigkeiten der rasch wechselnden Modenachzufolgen. Hart und steif ist die Kriegerstatue Constantins auf demCapitol, und nicht besser die angebliche Togafigur des Julian imLouvre. Einen merkwürdigen Beweis von der Fortdauer eines gewissentechnischen Geschickes liefert indess noch der 18 Fuss hohe Bronzekolosszu Ilarletta, vielleicht ein Standbild Theodosius des Grossen, von wel-chem auch sonst bedeutende plastische Denkmäler zeugen*).

Historische Bildwerke sind uns an einigen Monumenten dieser Epocheerhalten. Sie geben sich als Nachahmungen der ähnlichen Arbeiten ausder Zeit der Flavier und des Trajan zu erkennen, bleiben aber an Kraft-fülle und Lebensfrische, wie an Adel und Rhythmus der Composition weithinter ihnen zurück. Hierher gehören die Reliefs am Fussgestell einervonM. Aurel undL. Verus dem Antoninus Pius errichteten Ehrensäule, jetztim vaticanischen Garten zu Rom. Auf zwei Seiten sieht man eine lebendigbewegte aber in ziemlich unglücklicher perspektivischer Anordnung dureh-

*) Vergl. J. Friedländer in Gerhards Arehaol. Zeitg. XVIII. Jahrg. Nr. 136.Ijäbke, Gesell, der Plastik.

Portraits.

Historische

Bildwerke.