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Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
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Drittes Buch.

Pracht-

metalle.

Resultat.

tiken Traditionen mehr und mehr der Erstarrung verfielen. So ein Dip-tychon des Constantius und ein anderes des Justinian in der Bibliothekdes Palazzo Riceardi zu Florenz. Wie diesen Diptychen in christlicherZeit Tragaltäre und Buchdeckel nachgeahmt wurden, beweist die Elfen-beintafel Herzogs Urso aus dem 8. Jahrhundert im Archiv des Kapitelsvon Cividale*) mit ausdrucksloser antikisirender Darstellung des Ge-kreuzigten, welchem der Hauptmann die Seite durchsticht, während Solund Luna als Brustbilder in Medaillons trauernd niederblicken.

Endlich ist des verschwenderischen Gebrauchs der Prachtmetalle zugedenken, in denen man die kirchlichen Geräthe und Gefässe auszuführenliebte. Die Kostbarkeit dieser Arbeiten hat den meisten den Unterganggebracht; doch ist als eins der umfangreichsten Werke das Antependiumdes Hauptaltares von S. Ambrogio in Mailand erhalten, eine Arbeit desneunten Jahrhunderts, inschriftlich von einem Meister Wolvinus ausge-führt. Es ist eine Bekleidung von Gold oder vergoldeten Silberplatten,durch erhabene reichverzierte Streifen in viele kleine Felder eingetheilt.Diese Felder sind in getriebener Arbeit mit Reliefdarstellungen ge-schmückt. An der Vorderseite sieht man Christus, umgeben von den Zei-chen der Evangelisten und der zwölf Apostel, sodann zwölf Scenen ausseinem Leben, von der Verkündigung bis zur Himmelfahrt. Die beidenSchmalseiten haben nur Einzelgestalten von Engeln und Anbetenden. DieRückseite enthält die Geschichte des heiligen Ambrosius und in der Mittedie Erzengel Michael und Gabriel, sowie die Segnung eines gewissenAngilbertus und des Wolvinus, ohne Zweifel des Stifters und des Verfer-tigers dieser Prachtbekleidung. Der Styl ist bereits weit von antiker Rein-heit entfernt, obwohl in der Gewandung noch die Antike festgehalten wird,üeberwiegend ist aber sowohl im Geiste der Darstellung wie in der Zier-lichkeit der Arbeit die Einwirkung byzantinischer Kunst. Bei anderenähnlichen Prachtwerken wird die Plastik von der Schmelzmalerei und demNiello verdrängt, oder vermag neben diesen beliebteren Darstellungs-mitteln nur in untergeordneter Weise sich zu erhalten.

Ueberblickt man das halbe Jahrtausend altchristlichen Kunstbetriebes,welches immer noch von antiken Reminiscenzen zehrt und in immer ro-herer, geistloserer Weise die wenigen neuen Typen und Darstellungskreise,die das Christenthum hervorgerufen hatte, wiederholt, so wird man ge-stehen müssen, dass die neue Gottesanschauung der bildenden Kunsteinstweilen keine Fortschritte, sondern nur immer tieferen Verfall gebrachthatte. Dies konnte auch nicht anders werden, so lange das Christenthum

l ) Yergl. Eitelberger a. a. O. S. 246 ff.