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Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
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Zweites Kapitel. Die byzantinisch-romanische Epoche.

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noch in die Formen des antiken Lebens gebannt war und seine Haupt-träger in den antiken Kulturvölkern hatte. Selbst als das Frankenreichunter Karl dem Grossen in durchgreifender Weise sich an die Stelle desalten Eömerreiches setzte, blieben die Kultur- und Kunstformen der an-tiken Auffassung und ihrer byzantinischen Umbildung unterworfen. Erstafs das karolingische Weltreich durch den Freiheitsdrang der germani-schen Völker gesprengt war und die individuelle Selbständigkeit dieserStämme sich in neuen volksthümliehen Einrichtungen zur Geltung brachte,drang dieser belebende Odern auch in die bildende Kunst und eröffneteihr die Aussicht auf eine neue Entfaltung.

ZWEITES KAPITEL.

Die byzantinisch-romanische Epoche.

Um den merkwürdigen Prozess der Entwicklung einer neuen christ-lichen Kunst zu begreifen, darf man vor Allem nicht vergessen, dass dasChristenthum den germanischen Völkern als eine fremde, dem fernenOrient entstammende Frucht aufgedrängt wurde. Feindselig trat esgegen alle nationalen Ileiligthümer auf, zerstörte die Anschauungen desrohen, einfachen Naturlebens, ächtete die volksthümliehen Gottesideen undsetzte dafür etwas nach Form und Inhalt Fremdartiges an die Stelle.Wir wissen, mit welch zäher Anhänglichkeit unsere Vorfahren an heidni-schen Ueberlieferangen hingen, mit welch todesmuthiger Tapferkeit sieihre Freiheit, ihren Heerd und ihre alten Götter vertheidigten, mit welcherHartnäckigkeit sie lange nach ihrer Unterjochung unter das Kreuz sichimmer wieder empörten und die verlorne Sache offen und geheim vonNeuem ergriffen. Als aber diese Anstrengungen sich vergeblich erwiesenund die neue Lehre mit Gewalt der Waffen dauernd befestigt wurde, ent-stand zunächst eine Gährung, die das mühsam zu Stande gekommeneWerk wieder zu zertrümmern drohte. Germanischer Freiheitssinn war es,der sich gegen die römische Centralisation des karolingischen Reichesauflehnte und die ehernen Bande sprengte, welche das Sonderleben derStämme ersticken wollten. Zunächst entstand nun eine Verwirrung, dieAlles in wildeste Anarchie auflöste. Es schien kein innerer Halt die Ge-

Das Chri-stenthumund dieGermanen.