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Drittes Buch.
Erzarbeit inItalien.
Stein-
sculptur.
aus dem alten Testamente, namentlich die Erschaffung des Adam und derEva (Fig. 118), Simsons Sieg über den Löw-en und über die Philister,dann aber mehrere räthselhafte Figuren und endlich einzelne Thiergestal-ten und phantastische Gebilde, wie Löwen, Kentauren u. dgl. Die Dar-stellungen, im Ganzen 32 in vier Reihen vertheilte, sind in flachem Reliefbehandelt, zwar noch ohne Verständniss des menschlichen Organismus,mit gar zu grossen Köpfen und Händen; aber die Bedingungen des Relief-styles sind entschieden besser begriffen und klarer befolgt, als an denHildesheimer Arbeiten, während die Antike mit einer gewissen Einfachheitfast mehr im Sinne der alterthümlich griechischen als der römischen Kunstaufgefasst ist, und in manchem frischen Motive der Bewegung und derGeberde ein naives Naturgefühl sich bemerklich macht*). Diese wenigenBeispiele müssen uns, wie so oft, eine reiche Zahl von untergegangenenDenkmalen ersetzen.
Von den übrigen Ländern ist es nur Italien, welches einige grössereWerke des Erzgusses bietet. In den meisten Fällen verzichten dieselbenjedoch vollständig auf plastischen Schmuck, indem sie nach byzanti-nischer Weise die Darstellungen durch Nielien in eingelegten Silberfädenvorziehen. Nur am Hauptportal von S. Zeno zu Verona sieht man invielen mühsam verbundenen getriebenen, nicht gegossenen Platten eineAnzahl von Reliefdarstellungen, von denen die älteren des linken Portal-flügels von höchster Rohheit und Styllosigkeit sind und den Beweis liefern,wie weit damals die Bildnerei Italiens hinter der deutschen zurückstand.
Wenig lässt sich endlich von der gleichzeitigen Steinsculptur sagen,die erst mit der reicheren Ausbildung der Architektur im folgenden Jahr-hundert zu grösserer Bedeutung gelangen sollte. In Frankreich führte derDrang nach bildnerischer Thätigkeit zu der wunderlichen Unsitte, in Er-mangelung anderer Stellen die Kapitale der Säulen mit geschichtlichenDarstellungen zu überladen. Abgesehen davon, dass hierdurch die klareCharakteristik der baulichen Form als solcher zerstört wurde, konnteauch die Plastik durch solch enges Zusammendrängen nicht gewinnen.Verwirrte Compositionen, gezwungene und selbst verschrobene Bewe-gungen, verbunden mit barbarischem Ungeschick der Körperauffas-sung, waren die unausbleiblichen Folgen. Reiche Beispiele liefert dieVorhalle der Abteikirche St. Benoit-sur-Loire (nach 1026 erbaut).— Unter den selbständigen Werken der Steinsculptur, welche dieser
*) Sehr charakteristische Abbildungen zweier Figuren in KugleFs Kl. Sehr. I.S. 150 f. — Das Ganze giebt F. J. v. AUioli , die Bronzethür des Doms zu Augs-burg. 1853. Yergl. Sighart, Gesch. d. bild. Künste im Königr. Bayern. München 1862.