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Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
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301
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Zweites Kapitel. Die byzantinisch-romanische Epoche.

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Goslar, lind die nicht minder unbehülflichen, auf dem Kücken vonPropheten stehenden Reliefgestalten v der Apostel am Taufsteine desDomes zu Merseburg; ferner die älteren unter den symbolischenBildwerken an der Busskapelle in der Kirche zu Gernrode. Dagegenentwickelt sich bald ein besserer Styl und eine lebhaftere Empfindung aneiner Reihe von Stuckreliefs iin Innern der Kirchen, wobei die leichtereTechnik an dem bildsameren Materiale ohne Zweifel günstig mitgewirkthat. Die ältesten unter diesen sind wohl die noch streng behandeltenGestalten Christi und der Apostel, welche sitzend an der Brüstung einerwestlichen Empore der Kirche zu Groningen bei Halberstadt an-gebracht sind.*) Bei aller Strenge des Styls herrscht doch grosse Mannig-faltigkeit in der Anordnung der Gewänder, und die Gestalten sind inlebhaften Motiven der Bewegung gegen einander gewendet. Entwickeltersind schon die ebenfalls sitzenden Reliefgestalten Christi und zweierApostel an der nördlicher Brüstung des Chors der Kirche zu Hamers-leben, und in ähnlicher Weise, wenn auch noch etwas typisch in Aus-druck, Stellung und Gewändern, doch schon in flüssigeren Linien durch-geführt die ebenfalls sitzenden Gestalten Christi, der Maria und derApostel an den beiden Seitenwänden des Presbyteriums in der Lieb-frauenkirche zu Halberstadt.**) Selbst am Aeussern der Kirchen em-pfahl sich das bequemere Stuckmaterial zur Verwendung, wie das Nord-portal von St. Godehard zu Hildesheim beweist, dessen DarstellungChristi und der Bischöfe Godehard und Bernward gleich den vorigenWerken um die Mitte des zwölften Jahrhunderts ausgeführt sein wird.Das grossartigste Denkmal ist aber die plastische Ausschmückung derMichaelskirche derselben Stadt, die wahrscheinlich dem Umbau von1186 angehört. Hier sieht man an beiden Seitenwänden des Chores dieüberlebensgrossen Gestalten Christi und der Maria sammt den Apostelnin reichen Nischen unter Baldachinen stehen. Der Styl entfaltet sichnochmals zu einer fast herben Strenge, die sich in der reichen und etwasgesuchten Detaillirung der Gewänder mühsam mit einem Hauch freierenLebens zu verbinden sucht; aber die Gesammtwirkung ist eine architek-tonisch - feierliche und hochbedeutsame. An der inneren Seite dieserScheidewände sieht man die Bogenzwickel einer kleinen, offenen Galeriein sinnreicher Anordnung mit schwebenden Engelgestalten ausgefüllt , diewieder ein lebendiges Zeugniss von dem architektonischen Sinn in derBildnerei dieser Epoche ablegen. Endlich sind sämmtliche Bogenlaibungen

*) Abbild, in meinem Grundriss der Kunstgesch. S. 353.

,**) Eine treffliche Abb. in Kuglers Kl. Sehr. I. S. 138.