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Drittes Buch.
Schwäbische
Plastik.
SchweizerSculpturen. •
den seltenen Fällen, wo er weltliche Gegenstände zu behandeln hatte. Soin dem Reliefbilde Kaiser Friedrichs I. im Kreuzgange von S. Zeno beiReiclienhall, einer noch äusserst rohen Arbeit, und nicht viel besser,wenngleich bewegter in dem Bilde desselben Kaisers, seiner GemahlinBeatrix und des Bischofs Adalbert neben dem Portal des Domes zuFreising.
Ausser diesen Arbeiten Bayerns, in welchen die Fülle symbolischerBeziehungen die künstlerische Bedeutung weit überragt, lassen sich zu-nächst in Schwaben einige plastische Werke dieser Epoche nachweisen.Am Portal der Kirche von Alpirsbach, aus der zweiten Hälfte deszwölften Jahrhunderts, sieht man die beliebte Darstellung des thronendenChristus in einem von lebhaft bewegten Engeln gehaltenen Medaillon.Sodann ist an der Jolianniskirche zu Gmünd, die wohl schon dem Anfangdes dreizehnten Jahrhunderts angehört, eine Menge von winzigen Relief-bildem nicht bloss an den Portalen, sondern über die ganze Facade, jaselbst an den Mauerflächen des südlichen Seitenschiffes verstreut. Christusam Kreuz am westlichen Portal und an der Südseite, darunter die beidenMarieen und Johannes, letzterer den Kopf wie zum Ausdruck des Kummersauf die Hand stützend, dann die thronende Maria mit dem Kinde, das nacheinem von der Mutter dargereichten Apfel greift. Vergeblich sucht aberdie Empfindung in solchen Einzelzügen durchzudringen. Die ganzen Ge-stalten sind unglaublich embryonisch und puppenhaft. Gleich danebensieht man aber Kentauren, Hirsche, Vögel, Fische, blasende Jäger, diemit ihren Hunden einen Hirsch verfolgen, offenbar von denselben Händengemeisselt, aber von einer Frische und Lebendigkeit der Bewegungen, dieden stärksten Gegensatz gegen die Starrheit der übrigen Gestalten bilden.Die begleitenden architektonischen Formen sind von höchster Eleganz.
In der Schweiz ist die überaus reiche Ausstattung des Grossmünstersvon Zürich sowohl im Innern als in zahlreichen gegliederten Pfeilern, wieim Aeussern an dem nördlichen Hauptportal ein Beweis von der Leben-digkeit des plastischen Sinnes, aber zugleich von der Schwerfälligkeit undPhantastik der Auffassung. Etwas später, im Beginn des dreizehnten Jahr-hunderts, schliesst sich die noch reichere Ausstattung des dortigen Kreuz-ganges daran, die an buntem Reichthum kaum ihres Gleichen hat*). Esist hier wie an anderen Orten kaum möglich, der Plastik in ihren wunder-lichen Quersprüngen zu folgen. Abenteuerliche Missgestalten, Drachen undUngeheuer aller Art wechseln mit Jagdscenen und possenhaften Darstel-lungen, Alles in einem ziemlich rohen, aber mit Anstrengung nach Leben
’) Vgl. Mitth. d. Ant. Gesellsch. in Zürich. Bd. I. Heft 5 u. 6.