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Drittes Buch.
Innere Ver-wandtschaftmit derAntike.
tion dev Architekten manche verwinkeltere Anordnung hervorgegangensei, und dass letztere die Plastik vielfach zu Concessionen zwang undungünstige Stellungen sowie eine Verkrüppelung des Maassstabes für dieReliefplastik zur Folge hatte! Aber das gewann keinen Einfluss auf dieHauptsache, das verdunkelte nicht die wesentlichen grossen Grundzügedes Inhalts, das gab sogar durch die Berufung auf tieferes Nachdenkenund genaueres Betrachten dem Werke ein neues spannendes Interesse.Darin aber vor Allem lag wieder eine grosse Verwandtschaft mit derAntike, dass die Ausschmückung einer Kirche des dreizehnten Jahr-hunderts dem Bildhauer eine eben so grosse Mannichfaltigkeit der Auf-gaben stellte, wie vormals die Ausstattung eines griechischen Tempels.Jede Gattung der Sculptur fand ihre Anwendung: die Kolossalstatue,einzeln und zu freien Gruppen- verbunden; zierliche Statuetten, baldsitzend bald stehend angebracht, auf Konsolen und in Archivolten; dasgrossräumige Hochrelief und das zarteste Flachrelief, und selbst diesewieder in der verschiedensten architektonischen Umrahmung, an denSeiten der Pfeiler, in friesartigen Streifen oder im spitzen Bogenfeld.Dieser ganze Reichthum der Abstufung bot erst der Plastik das Mittel,sich in vielseitigster Weise zur Freiheit zu entfalten.
Nur aus dieser Gleichartigkeit des Strebens, der idealen Aufgabenund der architektonischen Anforderungen, nicht aber, wie man wohl ge-glaubt hat, aus Nachahmungen antiker Vorbilder, ging die Verwandt-schaft hervor, in welcher die edelsten Werke des dreizehnten Jahrhundertssichtlich mit denen der griechischen Bltithezeit stehen. Wo hätte manauch die Muster entlehnen sollen? Steht doch die römische Plastik inden überfüllten Reliefs ihrer Sarkophage und der studirt feinen Gewand-behandlung ihrer Statuen weit ab von der Einfachheit und plastischenKlarheit des dreizehnten Jahrhunderts! Wohl erkennen wir bisweilen inder Welt von Statuen, welche die Kathedralen jener Zeit bedecken, ver-einzelte Werke, welche auf direkten Studien nach römischen Togafigurenberuhen; allein sie würden in der Menge verschwinden, wenn sie nichteinen so fühlbaren Contrast mit der Mehrzahl der übrigen Werke bildeten.Dagegen ist der feine Reliefstyl des dreizehnten Jahrhunderts, der nurzwei Reihen von Gestalten hintereinander duldet und jede Figur sich involler Klarheit darstellen lässt, gleich dem griechischen aus richtigemkünstlerischen Gefühl und aus der strengen Beziehung zur Architekturhervorgegangen. Was die Statuen betrifft, so ist der wesentliche Unter-schied der, dass die griechischen Plastiker, vor Allem auf Darstellung dermenschlichen Schönheit bedacht, die organischen Gesetze der Gestaltenbis in’s Tiefste ergründen, und dass selbst die Gewänder bei ihnen nur