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368 Drittes Buch.
beider sind fein gebildet, voll lieblicher Unschuld, Adam durch Andeutungdes Bartflaums charakterisirt. Der schöne Kopf der Kaiserin zeigt einhuldvolles Lächeln, der des Kaisers ist keineswegs ideal, sondern mitentschiedenem Streben nach individuellem Gepräge, Petrus endlich ebensokühn und energievoll wie Stephanus demüthig. So haben diese Statuenalle Vorzüge ohne die Mängel des neuen Styles. Derselben Hand möchteich auch die Statuen der Kirche und der Synagoge zuschreiben, welchezu beiden Seiten der goldenen Pforte am nördlichen Seitenschiff (vergl.S. 360) hinzugefügt wurden. Von ähnlicher Schlankheit, von ebenso edler
siidportai. Schönheit zeigen sie dieselbe feine Charakteristik und nur in der Be-handlung noch weicheren Fluss, vollere Rundung. Die Kirche, deren Kopfin hoher, fast strenger Schönheit die Krone trägt, ist über dem langenGewände in einen Mantel gehüllt, der in weitem Wurf von der linkenHüfte nach dem rechten etwas vortretenden Knie herabfällt. Die Syna-goge dagegen, deren edles Haupt eine Binde verschleiert, ist in einfacheresGewand gekleidet, das in tiefen grossen Falten herabfliesst. Unter derBinde erkennt man deutlich die Form der Augen. In der Rechten hältsie den zerbrochenen Stab, die Linke lässt wie kraftlos die Gesetztafelnherabfallen. Die Feinheit der Ausführung ist hier so hoch getrieben, dassselbst die kleinen Fältchen der engen Aermel unter den Achseln aufsZierlichste ausgedrückt sind. Nicht minder vorzüglich ist ein angestrengtzum Gericht blasender Engel und eine sitzende Gestalt Abrahams, der dielächelnden Figürchen der Seligen in seinem Schoosse hält; beide Werkeallerdings unpassend und unsymmetrisch über dem Hauptgesimse ange-bracht. Offenbar wusste der Künstler mit diesem Ueberschuss seiner Com-position keinen andern Ausweg und mochte die Gestalten doch nicht ent-behren, da das Tympanon ohnehin schon in gedrängtester Anordnung eineDarstellung des jüngsten Gerichtes erhielt. Sie ist ein kleines Meisterstückvon Raumbenutzung, denn in der Mitte entfaltet sich gross und feierlichdie Gestalt Christi, von Engeln umgeben. Zu den Füssen des Throneshaben sich Maria und Johannes zu inniger Fürbitte hingeworfen. In demkleinen Raume zwischen ihnen erblickt man mehrere gut bewegte FigurenAuferstehender. Der übrige Raum ist geschickt ausgefüllt mit einer GruppeSeliger, welche von Engeln empfangen werden, und einer Schaar Ver-dammter aus allen Ständen, die ein Teufel grinsend zur Hölle schleppt.Hier ist der Ausdruck der Empfindungen die Klippe, an welcher derKünstler scheitert, denn Selige wie Verdammte zeigen dasselbe stereotypeLächeln. —
Statuen im Endlich gehört derselben Zeit eine Reihe vorzüglicher Statuen, im
Innern an der nördlichen Scheidewand des Ostchors auf Konsolen ange-