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Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
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Drittes Buch.

Grabsteine.

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machen den Schluss. So viel Willkür und scheinbar Gesuchtes mit unter-läuft, so poetisch und gedankenvoll wirkt doch das Ganze, zumal es durchdie reiche, ziemlich erhaltene Bemalung noch gehoben wird. :

Endlich vertritt eine Anzahl von Grabsteinen in verschiedenenGegenden Deutschlands denselben einfach edlen Styl in würdiger Weiseund obendrein in gesteigerter Mannigfaltigkeit der Auffassung. So imMünster zu Strassburg ein bischöfliches Grabmal, etwa gleichzeitig mitdem Beginn des Thurmbaues, also aus der spätem Zeit des Jahrhunderts,wofür auch das offenbare Streben nach Portraitwahrheit spricht. Das Werkist reich ornamentirt und vollständig bemalt. Derselben Spätzeit gehört derGrabstein eines Grafen Berthold von Zähringen (t 1218) im Münster zuFreiburg, der Kopf mit Schnurbart entschieden portraitartig, der Körperim Kettenpanzer, steif mit gespreizten Beinen auf einem Löwen stehend,die Hände zum Beten gefaltet. Das Werk gehört vielleicht erst dem An-fänge des vierzehnten Jahrhunderts, wo die lang lierahfliessenden Ge-wänder der früheren Zeit in unplastischer Weise dem kurzen Panzerrockweichen. Dagegen zeigen noch den Idealstyl der früheren Zeit des Jahr-hunderts dieGrabmäler des Landgrafen Konrad (t 1243) in der Elisabeth-Kirche zu Marburg*), und der merkwürdige Grabstein ErzbischofsSiegfried (t 1249) im Dom zu Mainz**). Neben ihm sind die beidenGegenkönige Heinrich Raspe und Wilhelm von Holland, denen er dieKronen aufsetzt, fn kleinerer Gestalt angebracht, eine originelle Charak-teristik der geistlichen Macht, die freilich zu gezwungenen, eckigen Be-wegungen geführt hat. Treffliche Arbeiten sind sodann die Grabsteineeines Grafen Otto von Botenlauben und seiner Gemahlin in der Kirche zuFrauenrode bei Kissingen***), sowie im Kloster Altenberg an derLahn das Denkmal des Grafen Heinrich von Solms-Braunfeist), sämmtlichbald nach der Mitte des Jahrhunderts ausgeführt. Endlich noch vomAusgange des Jahrhunderts der Grabstein eines Grafen Diether von Katzen-ellnbogen aus der Clarakirche zu Mainz nach Wiesbaden ins Museumversetztet) und das interessante in gebranntem Thon ausgeführte und reichbemalte Denkmal Herzog Heinrichs IY. (t 1290) in der Kreuzkirche zuBreslau, im Panzerhemd und vollem Waffenschmuck; an den Seiten der

*) Möllers Denkm. Taf. 18.

**) Treffliche photographische Darstellungen dieses und der übrigen Denkni.des Mainzer Domes in //. li'mdens Dom zu Mainz. 1858.

***) v. Hefher - AUeneck, Trachten des M.-A. I. Taf. 59 u. (10.t) MuUers Beiträge II. S. 27.ft) u I/ef/ier - Alleneck a. a. 0. I. Taf. 68.

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