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Die Ehescheidung : eine Schweizerscene aus der neuesten Geschichte
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13
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mit ihr aber Hermann war schon verschwunden-,ehe sie die ersten Worte noch gestammelt hatten» SemTriumph war vollendet !

Beynahe täglich kam er nun in Müllers Haus,nahm Kunde von seinen Handelsgeschäften, seinemHaushalt, und Stundenlang saß er oft allein nebenSüsette im einsamen Kloset, ohne daß in Müllerstruglose Seele auch nur ein vorübergehender Verdachtsich einschlich.

Wie sehr täuschte er sich! Hermanns Grosmuth,mit so vieler Kunst angelegt und ausgeführt, hatteSüsettens Liebe wieder angefacht zur üppigsten Flamme»Er war ihr ein Mann aus höheren Welten, eine Sel-tenheit in der Naturgeschichte, und verglichen mit ihmwar in ihrer Fantasie der gute redliche Müller eineNulle, brauchbar nur, eine Lücke in der Zahlenreyheder Gesellschaft auszufüllen. Hermann benuzte dieseschwärmerische Stimmung, exaltirte sie noch mehrdurch Züge des Herzens, die er vor ihr eytwikelte,sprach zwar nie gegen Müller, desto rührender abervon dem Schicksal der Gattinnen, die durch Konven-tionen an ungeliebte Männer gekettet würden undvon Stufe zu Stufe sank das arme Weib herab biszur Trunkenheit der Leidenschaft, die keine Schrankender Psticht mehr kennt. Es war ein Taumel deran Wahnsinn gränzte und Wahnsinn geworden wäre,hätte nicht Hermann Aussichten einer ewigen geheiligtenVerbindung ihr eröfnet» Biß jezt war die Liebe gei-