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Die Noachide in Zwölf Gesängen / von Bodmern
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124
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ro4 Die Noachide.

Da sie bey dreyen so glänzt , was wird für vielfältige ZierdeNickt bey versammelten Schaaren der Mädchen und Jünglinge blühen,Prächtiger, als ein gewundener Strauß vielfarbigter Blumen!

Sind wir zu tadeln, daß wir die schöne Gesellschaft uns wünschen,

Daß wir sie zu genießen die Garten Gottes entbehrten r

Ist nicht ein Band von der Hand der Natur inwendig geknüpfet,

Das zu den Menschen uns zieht, die die Ebnen der Erde bewohnen,Unsern Blutsverwandten? Kein Wunder, daß unsere NeigungUns so stark zu den Jünglingen zieht, wenn die Ahnung nicht trieget,Daß das Mädchen allein die Helfte, der Jüngling die Helft' ist;

Aber vereiniget erst die beyden vollendet und ganz sind.

Jeglichen Trieb des Herzens entdeckten wir unserer Mutter,

Doch sie beschält uns nicht, sie vermahnte mit lindernden Worten:Euer Verlangen mag an sich selbst nichts sträfliches haben;

Jene, die ihr verlangt, sind von eurem Fleisch, und in ihnenHauchet der Athem der ersten Geschafnen, der auch in euch hauchet,Jüngling' und Mädchen gebohrcn von Adams Blute, die KinderFrommer Männer, gottseliger Ahnen, Seths, Enos, undKenans.Aber sie haben von ihnen nicht ihre Tugend geerdet,

Hasser des Rechts, vom Guten verlassen, Verfolger der Unschuld,Nach der Erde gewandt als die Anverwandten des Viehes.

Wie leicht könnte das Laster in ihrem ansteckenden UmgangEuer Gemüth ergreifen, und eure Lugend beflecken!

Durch die schwächere Mädchen sind eure Brüder gefallen;

Was für ein Loos wird euch von dem wildern Manne aedrohet?Bleibet denn gern, o ihr Lieben, in diesem verschlossenen Garten,