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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
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44
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,5, gut darauf, das rechende Spiel ihrer Augen Wechsel. weise zum Muthwill, zum Ernste, zur Huld und2 , Güte zu stimmen, und ihr Nein bald mit Sprödig- kett, bald mit Zweifelsucht, bald mit Wohlwollenzu würzen; auch ohne Ausleger deuten sie selbst un,sere Worte und Minen vollkommen richtig. Beysolcher Wissenschaft bleibt es für sie kein Geheimniß,.» uns mit dem Zauberstabe zu lenken, und wol auchdie Schulmeister zu schulmeistern. Und wenn sie^ ohne Mißmuth uns überall in Nichts weichen, undaus Fürwitz auch von unsern Büchern verlangen,t, so taugt für ihre Unterhaltung vornehmlich diet> Dichtkunst. Sie ist flatterhaft, sinnreich, versteckt,!, geschwätzig, ganz zur Belustigung, ganz zur AuS-» kramung gemacht , wie sie. Manchen Vortheilziehn sie auch aus der Historie. Aus der Philoso-phie, aus der Lebensweisheit ergreifen sie für ihren Antheil besonders solche Betrachtungen, wodurchsie geschickt werden, über unsere Lage, Fassung und Laune zu urtheilen, sich gegen unsere Verfüh.v, rungen und auch gegen die Verführungen ihres ei.^ gencn Herzens sicher zu stellen, ihre Freiheit zu scho- ncn, den Lebensgenuß zu verlängern, mit Gelas. senheit und Anstand die Untreue eines Liebhabers, das mürrische Wesen des Gatten, den ungelegenen Ueberfall des Alters, der Runzeln und andrer sol, eher Dinge zu ertragen. Ohngefähr hierauf mögte ich die Gelehrsamkeit der Weiber beschränken.