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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
Seite
52
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er lebt mehr in einer platonischen, als in der wirk-lichen Welt; er kennt die Griechen und Römer; erkennt die Propheten und Evangelisten: Kennt er aberauch die Zeitgenossen, die Mitbürger, die Zürcher,die Schweizer?

. Stoll.

Wenn er sie kennt, warum schont er sie nicht?Warum rupft, stupst, schenzelt (neckt) er selbst abder Kanzel? Warum wirft er mitten unter den Hau-fen solche kühnen Einfälle, die sich selbst die Gelehr-ten kaum ins Ohr sagen? *)

Stadtschreiber.

Seine freyen Reden schaden dem Lande mehr alsHagel und Schlossen. Seine Stichelworte verlvun-den tiefer ak Dolchen.

Bräm.

Ha, sie bringen auch so gut zum Stillschweigen,wie diese.

Stadtschreiber.

Geduld: die Reihe zum Stummwcrden kömmtnun an ihn. Ich eile, ihm das Patent zum Feld-prediger zu schicken. Dann mögen ihm die Eidge-nossen den Mund mit einer Bombe zustopfen lassen rStoll.

Lebt wol, Freunde, ich eile zu meinem Quar-tier. Ihr versteht mich keineswegs um den Marschzu beschleunigen.

*) Hoffmanns Klagscbrift m Hottingers handschriftlichemThesaurus. 0 . 14- S> - 4 Z.