Buch 
Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
Seite
109
JPEG-Download
 

- n;

ftlbst, noch an ihrem Gewände hingehen läßt. Erstwenn das junge Mädchen gleichsam mechanisch jedeUnsäuberlichkeit ausweicht, oder sie sogleich ;u tilgenbemüht ist, darf man eine etwanige Unachtsamkeit da-mit bestrafen, daß man es in dem beschmutzten Kleideherumgehen läßt. Würde man zu früh und zu oftsich einer solchen Bestrafung bedienen, so könnte essich an den Fehler vielmehr gewöhnen, als davon ent-wöhnen. Damit es ihn aus eignem Triebe vermeide,so dürfen nicht immer Dienstboten zu seiner Aufwartbereit stehn; es selbst soll den Fleck an seiner Handwaschen; es selbst den Staub aus dem Gewändeklopfen.

Indeß darf auch die Reinlichkeit eben so wenig,als jede andere Tugend übermannt werden, oder sieist Pedanterie. Um den Puz des Mädchens zu scho-nen , darf man es nicht wie eine Puppe im Schran-ken verschließen. Auch ausser dem Hause, auf demMarkte, auf dem Spaziergange muß es seinen Anzugvor Befleckung zu verwahren im Stande seyn. Wennihm die eigene Reinlichkeit wol thut, so muß ihmfremde Unrcinlichkcit nicht sogleich Eckel erwecken.Noch so verfeinert und vornehm, kömmt es leicht inUmstände, wo ihm allzugrosse Verzärtlung Marterverursacht.

Schöne Damen kenn' ich, welche ja keinem luinpig-ten Geschöpfe erlauben, über die Thürschwelle zu tre-ten, und welche auf der Reise jede schlechte Bewir-thung mit stolzem Unwillen verschmähen, sie selbst

I