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der fremde Beobachter sich durch den blossen An-schein nicht hinreissen läßt? Sein Auge blickt scharf,und nicht bloß mit dem Auge beobachtet er, wolauch mit der Nase. Wenn dieses die Schöne be-denkt, so wird sie nicht unterlassen, zu gehöriger Zeitdie Wäsche und Kleidung, und jedes Stück der Klei-dung zu wechseln, den Körper zu waschen, die Haarezu kämmen, den Mund auszuspühlen, und die Zähnezu bürsten. Welche Kränkung für sie, indem sie denSieg, den sie durch das Gesicht davon trägt, sogleichdurch den Geruch wieder verliert!
Die Reinlichkeit nämlich ist nicht nur daS Merk-mahl von guter Lebensart; sie ist auch die Pflegemut-ter der Liede. Wenn Schönheit diese Leidenschaft er-zeugt, so erhält sie die Reinlichkeit. Selbst dem hö,Hern Alter noch giebt diese Tugend einen Anstrichvon Anmuth und Jugend. Wenn überhaupt unserAeusseres mit unserm Innern i», dem genauesten Ver-hältnisse steht, so steht in solchem Verhältnisse wolauch die äussere Reinlichkeit m it der innern Reinheitder Seele. In wiefern die Eindrücke von Aussen un-befleckt und rein sind, werden flich auch in unser Herzweniger unreine Gedanken einschleichen können.Ohne Zweifel liegt auch hierin ein Grund, warumbey den morgcnländischen Religivnsgebräuchen dieReinigungen ein so wichtiger Punkt des Gottesdienstssind. Aus eben diesem Grunde erscheint auch beyunserm Gottesdienste selbst der ärmste Mensch inreinlicherm Anzüge.