Hang zum Meberlriebenen.
^chr natürlich ist diesem Hang, und zwar bey demschönen Geschlechte noch nnchr, als bey dem männlichen.So wol in den Meynumgcn als in den Kleidermodcnverachtet man dre Mituelstrasse, und am leichtestenfällt man von dem Eimcn Extrem auf das Andere.So wol in dem theologischen und politischen Glauben,als in dem Geschmake des Anzugs und der Frisurzieht man der Mäßigung die Ausschweifung vor. Undwarum so gerne springt man zum entgcgengeseztcn End«hinüber ? Warum müssen dre Schnallen, die Knöpfeund Hüte entweder äusserst klein oder äusserst groß,warum die Cokarden entweder lilienweiß oder drey-farbigt seyn?
Dieser Hang zur Uebertreibung ist eben so merk-wirdig in seinen Ursachen als in seinen Wirkungen.Warum so gerne erlauben sich so wol der Redner inseinem Vortrage als die Schöne in ihrem Schmukeübertriebene Figuren ? S-'e Mollen die Aufmerksamkeitreizen. Die meiste Aufmerksamkeit aber erregt das-jenige , was von dem Gcwohmten am meisten absticht.Sie wollen ihren Reichthum und ihre Erfindsamkcitzur Schau tragen. Und vemn auch der Schmuk nichtimmer wahren Reichthum uind wahre Ersindsamkcitanzeigt, so täuschen sie doch dmrch den Anschein davon.Die Begierde sich auszuzachmen, hat dieses mit allenandern Begierden gemein, daß sie sich überspannteVorstellungen macht, urd auch eben darum über-