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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
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159
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Und Galanterie, von Würde und Schwachheit, vonEirclkcit und Andächtcley. Ihr Beichtvater Gobelinspielte bey ihr Wechselweise den Gewissensrath und denHöiling. Wechselweise licbkosete und schrcktc er ihreLeidenschaft.

Uiwermerkt gelang es ihr die Abneigung des Königszu besiegen. Diese Abneigung verwandelte sich in Zu.trauen; endlich das Zutrauen in Liebe.

Im I. i68i hatte Ludwig XIV. durch den Todseine geliebte Fontange verloren. Zu gleicher Zeitwar er der stolzen Anniassungcn und der beleidigendenVorwürfe seiner Montcspan überdrüßig geworden.Bey anrükcndem Alter fühlte er das Bedürfniß derGesellschaft eines gefälligern Weibes; bey der Last derGeschäfte sehnte er sich nach einer sanften Trösterin.Dazu bot sich ihm Maintcnon an. Hicbcy benahmsie sich mit ausscrordcntlicher Klugheit. Sie verbargjede Anmaßung; sie opferte sich dem Anscheine nachauf, und beunruhigte sich nur darüber, wie sie, ohnedem Himmel etwas zuvcrgcbcn, dem Könige nachgebenkönnte. Immer weis' ich ihn, schrieb sie der Frau von Frontcnac, immer niedergeschlagen weis' ich ihn ab, trostlos aber nie. Während der Zeit,daß in der königlichen Gunst Maintcnon stieg, undMontcspan fiel, lebten die beyden Nebenbuhlerinnentäglich beysammen. Jene machte sich die frömmelndeAcngstlichkcit des Königs zu nuze. Diese Acngst lich-kcit war eine Folge theils seiner jugendlichen Ausschwei-fungen und nunmehriger Alteroschivachheiten, BeilsN -