Band 
I. Tomus.
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der Christen« Match. V. i z-is.

Affekten / in Ansehung seiner Intentionen und Zwecken/in Ansehung dan«nelhin auch seines gantzen äußerlichen Handels und Wandels / und seinerdurchgehenden Aufführung / wie in diesem civilen und bürgerlichen / so auchdem Gottsdienstlicken Leben gantz anders/ und weit herrlicher und vortref-flicher/ nach dem Urtheil felbs der gesunden Vernunfft/ beschaffen ist/ alsder grosse Hausse der übrigen Menschen / die dato noch in der Liebe der Lüftenund Sünden versoffen/ es bey einem blossen Mund-und Schier-Christen-thum bewenden lassen; Das sage ich / verstehe ich durch diese ChristlicheSingularität / und nichts anders. Das aber ist klahr / und wird verhof-fentlrch von einem jeden leicht können begrieffen werden.

Und so nun erhellet hieraus fehrner/was hiemit diese Christliche Sin-gularität nicht seye / und wie selbige nicht begrieffen werden müsse. Istnemlich die wahre Christliche Singularität eine solche Vortrefflichkeit einesChristen / nach deren er in Ansehung seines inn-und auswendigen Zustandsauf eine besondere herrliche Weise beschaffen ist/ so ist sie « zwahren nichtein blosses äußerliches Schein - Wesen: Sie ist nicht eine Phariseische /oder eine solche Singularität/ die da bloß bestehe in dem äußerlichen/d.i.in einem angenohmcnen Schein einer blossen äußerlichen Andacht/in vie-lem Lesen / Bätten/ Kirchen gehen/ Psalmen singen/ Herr Herr ruffen/in einer andächtigen Minen/ in einem gehenckten Kopf/ in gestutzten Au-gen/ in ehrbarer Kleidung/in Enthaltung von öffentlichen groben Sün-den und Lastern/ in dem Fleiß dannethin einer bürgerlichen Sittlichkeitund Ehrbarkeit. Diese Singularität nenne ich eine Pharisäische Singula-rität / dieweil die ehemahlige Phariseer sich derselbigen vornemlich beflis-sen / gleich sich aus der gantzen Evangelischen Histori/vornemlich aberjener Gleichnus bey Lucs erhellet / da der Herr Jesus einen Phariseereinführet/als gehende in den Tempel/als daselbst stehende allein/als backendeMit diesen Worten : <l> Gott/ ich dancke dir/ daß ich nicht bin wiedie übrigen Menschen / Räuber/ Ungerechte / Ehebrecher/ oderauch wie dieser Zoller. Ich faste zweymahl in der Wochen/und giebe den Zehenden von allem / das ich besitze. Dann obwol?ac.i»!nfreylich auch ein solche Singularität in sich selber/ und ohne den unterge-mischeten Pharisäischen Saurteig der gesuchten Verdienstlichkeit/ Men-schen-Gefälligkeit und eigenen Gerechtigkeit betrachtet/nichtbösundsträf-flich/ sonder hingegen in seinem Sinn gut und löblich ist; Danahen derHerr Jesus auch diese Singularität nicht einfältig und an sich selber / (alSnur etwann wo sie dem Gesatz Gottes entgegen gewesen/) sonder nur da-rum getadelt/ weilen cS die Phariseer bey selbiger allein bewenden lassen /und -er innerlichen Reinigung des Hertzens ob diesem äußerlichen Schein-