Band 
I. Tomus.
Seite
616
JPEG-Download
 

an alle Gebotte Gottes. M<rtth. V. 19. _

in der That gcpractieiret/ sonder nur nicht einmahl den eigentlichen Ver-stand und wahre Bedeutung derselbigen begrieffen haben; Obgleich/ sageich / sonst ja durch das Band hinweg unsere Christen so dumm nicht / son-der die meiste noch wol so klug sind/als jener Jüdische Gefatzgelehrte/der/wie wir oben gehöret / bekennet/ daß ja fteylich Gott lieben von ganzemKerzen / und von ganzem Verstand / und von ganzer Seele / undvon ganzem Vermögen; und den Nächsten lieben als sich selbst/mehr seye als alle Brand-Opfer und Schlacht-Opfer / so verstehen Rare.» :i;.'sie doch auch dieses wiederum meistens nicht recht. Sie gedencken nicht/ wasGott so von ganzem Herzen/ undvonganzemVerstand/undvonganzer Seele / und von ganze,n Vermögen lieben seye; wie weitsich dieses erstrecke/ und wie diese herrschende Liebe Gottes/ so sie meinemMenschen seyn sol rechter Art / alle andere Liebe/die mit selbiger nicht kaubestehen/ als die Liebe der Welt/und alles dessen/was in der Weltist / des Gelusts des Fleisches/ des Gelusts der Augen/ und desHochmuths des Lebens in selbigem müffeabdemThronstürzen/töden/rentkräfften / und thme Gott und seine Gebotte so lieb machen/daß er gegenjenem alles andere in der Welt für Schaden und Koth/ ja selberHimmelund Erde für nichts achte / und diesertwegen/und zwahr ohne einige Aus-nahm/ auch nicht einmahl des kleinsten aus selbigen/mit dem Psalmift aus-rüste: Das Gesay/ 0 Herr/ deines Mundes ist mir lieber/als vielrausent Stucke Gold und Silber. Zeig nur / Herr / nur den wegdeiner Rechten / und ich wil ihn bis an das End bewahren. Un-terweist mich / so wil ich dein Gesay bewahren/ und es von gan-zem Herzen halten. Führe mich auf dem Pfad deiner Geborten:dann ich habe einen Lust dazu ; wie selbige kurz das Gewissen des Mk.ns:5«.Menschen machegleich einem zarten Aug/das nicht blos keine grosse dareinfallende Kiesel-Steine / sonder auch nur kein einiges/auch das allerkleinsteSonnen-Staublein dulden kan/ sonder ab selbigem so gleich zuschmirzenund zutricffen beginnet. Dahar kommet es / daß dieselbige gewöhnlich inAbstattung ihrer Heils-und Christen - Pflichten so lau und kaltsinnig sind/und sich mit einem solchen Christenthum/ das kaum besser als ein gesittetesehrbares Juden-und Heydenthum zu ftiede geben / und von dem Eifer inguten Wercken / von der Vortreffichkeit in heiligen Wandlungen undGottseligkeiten nichts wissen wollen; Dahar geschiehet es/ daß sie vieleSünden gemeinlich nicht für Sünden halten. Gleich wir deren ein ganzesRegister specifieircn könten / und neben denen / von denen wir droben gehö-ret/ daß Jesus sie htehar gezehlet/ unter selbige noch über das gehören dasunter uns so gemeine Leugen/ der Mangel der Aufrichtigkeit in WortenL Erster Theil.) F f ff und